Staatsstreich: niemand interessiert’s!

Madagaskar: Staatsstreich ohne Publikum.
Anlässlich des Verfassungsreferendums am 17. Nov 2010 erklärten ein paar Offiziere die Aufhebung der bisherigen Regierung. Also Staatsstreich. Doch niemand hörte hin.

Die in Nähe des internationalen Flughafens Ivato stationierten Einheiten erklärten die Regierung als aufgehoben. Oberst Charles Andrianasoavina kündigte ein Nationalkomitee der Streitkräfte an, das fortan für die Geschicke Madagaskars zuständig sei. Hinter dem Coup soll General Noël Rakotonandrasano stehen. Der General hat seit langer Zeit auch politische Ambitionen: der ehemalige Premierminister setzte sich vor wenigen Monaten als möglicher Premierminister in Szene. Erfolglos. Nun liess er offenbar seine Männer vortreten. Doch es waren nur 18 oder 20 Offiziere und dies weit ausserhalb der Hauptstadt. ‘Loyale’ Militärs marschierten auf und zündeten gar Tränengas: nur war da kein Gegner, keine Zerstörung, kein Feind.

Die kleine Palastrevolution hat die Weltpresse bewegt, die Madagassen hingegen nicht. Kleinrevolten und Palastdeklarationen gab es bereits zu Zeiten des Allmachtdiktators Ratsiraka in den 80er und 90er Jahren. Damals schon erfolglos. Daher war am ‘Putschtag’ landesweit keinerlei Effekt zu beobachten.

In den 80er Jahren merkte man in Südamerika, dass ein Putsch stattfand, weil die Panzer bei rot über die Ampel fuhren. Politik, Putsch und Militär hatten ‘mit dem Volk’ nichts zu tun.
In Madagaskar machen Putschisten seit Jahrzehnten Deklarationen und hoffen, dass ihnen jemand zuhört. ‘Das Volk’ hat auch diesmal weggehört, denn es weiss, dass es nur schlechter wird, egal wer kommt.

Im Februar 2009 kam der Playboy und ehemalige Diskjokey Andry Rajoelina an die Macht, weil er sich arrogant-frech aufspielte und die Unzufriedenheit der Bevölkerung geschickt ausnützte. Die Bevölkerung war unzufrieden, weil der damalige, legal gewählte Präsident Ravalomanana seine privat-kommerziellen Interessen nicht mit den gemeinschaftlich-staatlichen harmonisieren konnte. Tatsache bleibt: der damalige Staatspräsident brachte das Land voran, der jetzige brachte nur Rückschritt.

Madagaskar bleibt geteilt: ‘das Volk’ lebt wie bislang und es sind auch keine Übergriffe zu vermelden. Die Polit- und Militärclique hingegen schafft keine Einigkeit. Trotzdem bleibt die Tatsache: der neue Herrscher Madagaskars wird ein Militär sein.