Juni in Madagaskar

Juni in Madagaskar Blick auf Antananarivo

Juni in Madagaskar

Der Winter beginnt. Auf dem Hochland merkt man es vor allem morgens und abends, wo die Temperatur in der ersten Hälfte des Monats bei etwa 14 Grad liegt. In der zweiten Hälfte kann sie bis auf 10 Grad absinken. Gegen Mittag und nachmittags hingegen ist es bei 18 bis 25 Grad angenehm – sofern die Sonne scheint und kein Wind weht – was an etwa der Hälfte der Tage der Fall ist. An den restlichen Tagen zeigt sich das Wetter wechselhaft, mal sonnig, mal bewölkt. Vereinzelt kommt es vor, dass sich der Himmel den ganzen Tag über mit grauen Wolken bedeckt. An vereinzelten Morgen ist das Gras mit Tau bedeckt oder Nebel hüllt die Häuser in den Senken ein.

Es ist die Zeit, wo Bank- und Büro-Angestellte sowie die Kassiererinnen in den Supermärkten mit Jacken oder Mänteln bekleidet an ihren Arbeitsplätzen sitzen. Oft gehen sie auch nach draussen oder auf den Balkon, um sich kurz in der Sonne aufzuwärmen. Die Gebäude sind nicht beheizt, weshalb es oft nachmittags im Freien wärmer ist als in den Häusern drinnen. Pullover, Jacken, Mäntel, Mützen, Schals, Kapuzen und Stiefel sind nun im Einsatz, einige wenige tragen sogar Handschuhe. Die Mehrheit ist allerdings in offenen Schuhen und ohne Socken unterwegs und es gibt immer noch Leute, die nur T-Shirt und Bermudashorts angezogen haben. Es ist empfehlenswert, sich in Schichten zu kleiden, damit man die oberste ablegen kann, sobald es gegen Mittag wärmer wird.

Die Reisfelder sind jetzt abgeerntet. Zum Teil liegen sie noch brach, zum Teil sind sie mit Zwischenkulturen wie Bohnen, Erbsen oder Kartoffeln bepflanzt, zum Teil sind sie schon überschwemmt und dienen als Pepinière für die nächste Reiskultur. Das Gras ist dürr und die Wiesen weisen bereits einige Lücken auf. In den Gärten werden die Hecken geschnitten. Der Weihnachtsstern zeigt sich weiterhin in seiner roten beziehungsweise rosa oder gelben Blütenpracht. Der Fody, wie der madagassische Spatz in der Landessprache heisst, präsentiert sich inzwischen in seinem grau-braunen Winterkleid. Hin und wieder wirbelt der Wind auf Strassen und Höfen kleine Windhosen auf. Auf dem Markt sind die Kakis verschwunden, dafür werden neben den ganzjährig erhältlichen Früchten und den Zitrusfrüchten die ersten Erdbeeren und Ochsenherzen, eine süsslich schmeckende Annonenart, angeboten.

Der Wasserspiegel der Bäche und Flüsse sinkt weiterhin ab, was zur Folge hat, dass den Kanälen in der Hauptstadt ein unangenehmer Geruch entströmt. Ausserdem kommen allerhand während des Jahres hineingeworfene Gegenstände wie kaputte Plastikeimer, verbeulte Emailschüsseln und dergleichen, ans Tageslicht. Der Wind weht achtlos weggeworfene Plastiktüten und Bonbonpapiere durch die Strassen. In den Stromkabeln hängen die losgerissenen selbstgebastelten Drachen aus Papier und Plastiktüten.

An den Ständen und von Strassenhändlern werden madagassische Flaggen in jeglicher Grösse und Lampions aus buntem Papier verkauft. Am 26. Juni ist der madagassische Nationalfeiertag und die Fahnen schmücken schon Tage zuvor und danach die Häuser. Am 25. abends führen Kinder stolz ihre mit einer Kerze beleuchteten Lampions spazieren. Die beiden Abende enden mit einem Feuerwerk. Schon Tage zuvor lassen Jugendliche Knallfrösche krachen.

An der Küste sind die Temperaturen weiterhin sommerlich und schwanken zwischen 20 und 30 Grad. Im Osten liegen sie mit durchschnittlich 25 Grad leicht darunter.


Konkret heisst das, dass das Wetter im Juni sehr launenhaft ist. In der Hauptstadt ist es so: scheint die Sonne und geht kein Wind, dann schwitzt man bei über 20 Grad. Doch gleich daneben im Schatten friert man. Tagsüber sieht man Leute in T-Shirts und daneben gehen Leute in Wintermänteln. Besucher aus Europa erkälten sich bei diesem wechselhaften Wetter sehr schnell: generell sind sie zu wenig für die kalten Abendstunden ausgerüstet. Eine sehr warme Fleecejacke gehört bestimmt ins Gepäck…
In der Hauptstadt und generell auf dem Hochplateau (also zwischen Antananarivo und Fianarantsoa) kann es nachts nagend bitter kalt werden. Bei Trekking und Zeltübernachtungen muss man für Nächte bei Null Grad ausgerüstet sein. In den Hotels kann es nachts um die zehn Grad kalt werden, denn geheizt wird nirgendwo und die (made in China) Bettdecken sind oft so dünn wie magere Chinesen.

An der Ostküste, zum Beispiel in Antalaha, trägt man auch abends nur Kurzarmhemd. Es ist aber so, dass tagsüber zwar die Sonne scheint, doch urplötzlich beginnt es zu regnen und zwar so stark, dann man das Gefühl einer Sintflut hat. Doch dies dauert meist keine zehn Minuten und die Regenwelle ist vorbei. Das Trekking quer durch die Masoala-Halbinsel ist zwar möglich, doch muss mit Schlamm und Regen gerechnet werden. Besser ist, dieses Trekking später im Jahr zu machen..

Entlang der Westküste hingegen trägt man auch abends nur ein T-Shirt, aber es regnet nicht. Jedoch ob West oder Ost oder gar Hochland: der Wind macht meist den Unterschied zwischen kalt und kuschelig.