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Kultur-, Informations- und Reisezentrum für Madagaskar. In Basel / Schweiz

Auf dem Tsiribihina


Auf dem Fluss Tsiribihina nach Westen bis zu den Tsingy von Bemaraha.
Reisebericht Madagaskar von Lisbeth Arnold – Heim

 Sonntag, 6.  September

Baobab in Madagaskar. Foto: Yvonne Arnold

Unser Abenteuer Madagaskar kann beginnen. bei schönem Wetter verlassen wir die Schweiz. Das erste Abenteuer erleben wir bereits in Paris. Wenn das Personal schon falsche Informationen weitergibt!  So gibt es mehr als eine Rundfahrt mit dem Bus auf dem Flughafengelände. Dafür sehen wir in einem Kreisel einen Fuchs beim Mausen. Das Personal ist überall freundlich und bringt uns gleich zum richtigen Schalter, ohne anstehen. Bei der Gepäckkontrolle heisst es: Schuhe und Gürtel ausziehen, Kamerataschen komplett auspacken. Der Flug ist etwas unruhig. Dafür haben wir eine gute Nachbarin. Sie schnarcht in den lautesten Tönen. Als müsste sie den restlichen Wald von Madagaskar abholzen.

Montag, 7. 9. 09
Ankunft in Tana um 4.40 Uhr. Bis wir endlich durch den Zoll sind und alle Formalitäten erledigt haben ist es 6 Uhr. Erwartet von Seheno und Joslyn von Priori. Nach dem Hotelbezug und einem Besuch im Büro von Priori geht’s auf Tour. Der erste Besuch ist im Lemurenpark mit dem Botanischen Garten. Es ist Fütterungszeit und wir können den verschiedenen Lemuren beim Fressen zuschauen. Der Hammerkopf kreist in der Luft. Das Chamäleon ruht auf einem Ast. Die verschiedenen Schildkröten werden vorgeführt. Ein guter Einstieg auf den Urlaub. Weiter geht die Fahrt nach Westen zum Lac Itasy. Unterwegs besuchen wir einen grossen Zebumarkt. Zuletzt stehen wir im Ring, umgeben von vielen Kindern und Männern. Nun sind wir die Exoten, bestaunt und belächelt. Vor dem See zweigen wir auf eine Strasse zum Chuts de Lilly. Besuch bei den Wasserfällen in Begleitung der ganzen Dorfjugend. Sie möchten ihre Produkte aus Lavastein an den Mann bringen. Dieser Ort ist ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen. Touristen finden selten den Weg hierher. Es ist ja auch mehr ein Flussbett als eine Strasse. So sind wir schon wieder umringt und bestaunt. Zurück in Ampefy kommen wir doch noch zu unserem Mittagessen, obwohl es schon eher ein Nachtessen ist. Der Fisch aus dem nahen See schmeckt wirklich vorzüglich. Bis wir dann wieder im Hotel sind, ist es dunkel. Ein langer, eindrücklicher Tag geht zu Ende.

Dienstag, 8. September
Heute geht die Fahrt südwärts. Sie ist geprägt von Reisfeldern, Ananasplantagen, Gemüseanbau. Am Strassenrand werden Ananas und Erdbeeren verkauft, Karotten gewaschen, Steine geklopft. Aus Sisal werden Hüte und Taschen verarbeitet und Blechdosenautos verkauft. In Ambatolampy besuchen wir eine  Aluminiumpfannen Herstellung. Für uns unvorstellbar, wie einfach und primitiv Pfannen gegossen werden. Vom Altalu schmelzen, zum Formen im Sand machen und mit flüssigem Alu ausgiessen. Natürlich barfuss und ringsum spielende Kinder. Die erwarten uns auch zum Fototermin für einen Schreiber. Wie üblich, alle mit einer triefenden Nase. Über das Hochland erreichen wir Antsirabe. Besuch in einer Steinschleiferei. Mangels Aufträgen stehen die Maschinen still. Dafür dürfen wir im Stein-Abfallhaufen wühlen und Steine aussuchen. Der Laden wird rege benützt. Jedes von uns erhält ein Geschenk in Form eines geschliffenen Steines. Anschliessend überfordern wir die Dame am Postschalter. Nicht genügend Briefmarken, kein Kleingeld und mit dem früheren Feierabend wird auch nichts. Bei den kleinen Verkaufsständen ist Yvonne im Element mit feilschen und einkaufen. Auch Franziska kann ihre Wünsche erfüllen und unsere Koffer werden einiges schwerer sein. Dafür die Geldbeutel leichter. Es ist Abend und wir waren die ersten Kunden dieses Tages.

Mittwoch, 9. September
Zum Tagesbeginn nochmals ein spezielles Erlebnis auf der Post. Eine halbe Stunde, um die restlichen Briefmarken einzukaufen. Wir verlassen Antsirabe westwärts. Schon bald hören wir Musik. Es ist eine Totenumwendung. Alle singen, tanzen und sind fröhlich. Es wurde ja auch schon die ganze Nacht durchgefeiert. Am Nachmittag soll die Totenumwendung sein und mal lädt uns spontan ein. Aber unser Tagesziel ist noch weit entfernt. Wir kommen in die Berge und die Strasse geht rauf und runter. Die Reisfelder verschwinden, hier wird Zebuzucht betrieben. Qualm liegt in der Luft. Die Grasfelder werden abgebrannt. Von der Strasse retten wir Chamäleons. In Mandolo ist grosser Markt und 13 Hochzeiten. Eine kurze Wanderung durch ein Dorf ist angesagt, um die Beine zu vertreten. Zum Erstaunen der Dorfbewohner. In Miandrivazo im La Pirogue erwarten uns kleine Häuschen. Wir müssen in die Stadt. Auf der Gemeinde und bei der Polizei die Bewilligungen einholen. In der Nacht erwische ich die erste, heftige “Touristenkrankheit”.

Donnerstag, 10. September
Heute beginnt das Abenteuer Pirogenfahrt. Auf zwei Pirogen wird unser Gepäck verteilt, sowie die Zelte, Schlafunterlagen, Geschirr und die Lebensmittel. Auf einer Piroge Yvonne und Franziska mit dem Chef Rivo, 35 Jahre alt und dem Ruderer Dada, 13 Jahre. Auf der anderen Piroge, Bruno, Seheno und ich mit dem Ruderer Diny, 18 Jahre. Mir geht es langsam wieder etwas besser. Der Tsiribihina hat wenig Wasser und immer wieder müssen sie die Boote aus dem Sand schieben. Bienenfresser, verschiedene Reiher, ein Milanhorst mit Jungen, Eisvögel werden beobachtet. Beim WC Stop sieht Fränzi eine Schlange. Perlhühner, Braunlemuren, Schildkröte, Vasapapagei, Grauköpfchen etc. Manchmal weiss man gar nicht, wo schauen. Reger Verkehr auf dem Fluss. Am Ufer baden Kinder, Frauen waschen ihre Wäsche, eine Gruppe Menschen sucht Gold. Alle sind fröhlich und winken und rufen uns zu. Ab und zu rattert ein stinkiges und lärmendes Motorboot vorbei. Kurz vor dem Eindunkeln halten wir bei einer Sandbank und schlagen die Zelte auf. Hinter uns brennt der ganze Wald. Es tönt nicht nur nach Explosion, es breitet sich auch so aus.

Freitag, 11. September
Früh Tagwacht und um 6.45 ist Abfahrt. Durch die Gorges de la Tsiribihina. Wunderschöne Felsformationen, lodernde Waldbrände, trinkende Braunlemuren, Sifaka turnen in den Bäumen. Sehr viele verschiedene Vögel und Schmetterlinge. Die Mittagsrast ist am Wasserfall. Eine kleine Wanderung und wir können unter dem Wasserfall duschen und uns erfrischen. Tut das gut. In der Zwischenzeit bereitet die Mannschaft das Mittagessen zu. Über uns turnen Sifaka und Lemuren. Nektarvögel, Bullbull und Paradiesvögel im Geäst. Bei der Weiterfahrt werden zwei kleine Krokodile gesichtet. Jede Sandbank wird zum Anpflanzen von Reis  benutzt. Auch Mais und Tabak. Sehr viele Limikolen stochern im Sand. Das Nachtlager ist auf einer schönen, erhöhten Sandbank. Nur das Hinaufkommen ist etwas schwierig. Der vor einer Stunde gekaufte Fisch wird zubereitet, dazu Gemüseeintopf. Wir legen uns auf den Rücken und bestaunen den herrlichen Sternenhimmel mit der Milchstrasse und dem Kreuz des Südens.

Samstag, 12. September
Unser letzter Tag auf der Piroge. Dichter Nebel über dem Fluss. Rivo hat extra für uns “Schnee” bestellt. Alles ist feucht. Erst gegen neun Uhr zeigt sich die Sonne. Die Kinder rufen nach leeren Plasticflaschen. Eine Uferseite ist nun meistens sehr felsig. Verschiedene Reiher brüten darauf. In einer Felsspalte ein Eulenpaar. Eine Truppe Flughunde klebt am Felsen. Der Elefantenfuss blüht gelb. Ab und zu ein kleines Krokodil. Wiederum wird jede Sandbank bepflanzt. Wir sehen die ersten grossen Baobabäume. Mittagsrast im Grünen und sehr schattig. Es reicht sogar für ein Mittagsschläfchen. Nun hemmt ein heftiger Gegenwind die Burschen beim Rudern. Die Wellen schwappen über den Rand in die Pirogen. Unsere Jungs müssen sich kräftig anstrengen. Die letzte Zeltübernachtung ist auf einer Insel. Nun werden die beiden Mitfahrerinnen, zwei kleine Hühnchen, geschlachtet für das Abendessen. Auch die Pirogenfahrer essen mit uns. Sie haben ihre Arbeit sehr gut gemacht, Chapeau! Die Pirogenfahrt war ein ganz spezielles Erlebnis. Ich bin froh, haben wir uns dafür entschieden und nicht für das Motorboot.

Sonntag, 13. September
Nach einer kurzen Überfahrt müssen wir uns von Rivo, Dada, und Diny verabschieden. Sie müssen nun den gleichen Weg zurückrudern. Zo erwartet uns mit dem Auto und wir fahren bis nach Tsimatana. Mal eine bessere, mal eine schlechtere Strasse. Durch schöne Baobabwälder. Mal ein kleines Dorf. Man sieht, dass Sonntag ist. Alle sind schön gekleidet. Viele Ochsenkarren sind unterwegs. Unser Gepäck hält das nicht aus. Bald der erste Rucksack am Boden und der Zweite folgt sogleich. Glücklich, dass wir es jeweils sofort bemerken. Gute Riemen und ein Netz wären nicht schlecht für die Befestigung. Ein spezielles Erlebnis ist die Fähre. Nur schon die Auffahrt auf die Fähre!   In Belo ist Mittagsrast. Für uns reicht eine Suppe. Seheno hat schon Angst, nun seien alle krank.. Und das Restaurant hat sicher eine der schönsten WC Anlagen von Madagaskar. Neu, sehr sauber und wir können wieder mal richtig die Hände waschen. Aber gebügelt wird im Hinterhof noch mit dem Kohlebügeleisen. Die Weiterfahrt nach Bekoapa dauert vier Stunden für 100km. Sagt alles über den Strassenzustand. Wobei die erste Hälfte gar nicht so schlecht ist, dann ist es eher ein Flussbett. Zo ist erstaunt, dass wir nicht schlafen. Dafür immer wieder den Wiedehopf, das Helmperlhuhn oder den Drongo sehen. Wieder eine Gruppe schöner Baobabäume. Traurig machen uns die vielen Brandrodungen. Überall brennt und mottet es. Schade, was da alles an Fauna und Flora kaputt geht. Am Ende der Fahrt nochmals eine Flussüberfahrt und hinauf zum Olymp, wo uns ein schönes Häuschen erwartet.

Montag, 14. September
Unser erster Ausflug ist mit Pirogen zu den Tropfsteinhöhlen am Manambolo Fluss. Zweimal klettern wir in eine wunderschöne Höhle. Fledermäuse, leuchtende Schmetterlinge und Schwalben leben darin. Bei dem alten Felsengrab kehren wir um und rudern zurück. In der Luft fliegt ein Fischadler. Vasapapageien, Stelzenläufer, Sifaka und als Höhepunkt ein Fossa. Wauuu!! Beim Ausgangspunkt beginnt die dreistündige Wanderung in die kleinen Tsingy. Labyrinth, Schluchten, klettern, über Felsentreppen, Leitern und Hängebrüggli. Mal sind wir ganz unten, dann wieder zuoberst auf den Felsnadeln. Elefantenfüsse, Lianen, Feuerbaum, Sifaka, viele verschiedene Schmetterlinge, Spinnen, Käfer, Chamäleon, Leguan, Paradiesvogel, Vasa und andere Vögel beobachten wir. Durch den Trockenwald zu laufen ist angenehm. Am Fluss strecken unzählige Fische ihren Mund aus dem Wasser und verschwinden auf Kommando zusammen. Es hat sich gelohnt und ich kann nur sagen – Probe für die Grossen bestanden. Den Nachmittag haben wir zum Relaxen. Karten schreiben, lesen und Jassen. Die schöne Anlage mit all dem Gekriechtier geniessen.

Dienstag, 15. September
Nachdem wir die Bewährungsprobe bestanden haben, geht es nun in die grossen Tsingy de Bemahara. Schon etwas mit weichen Knien. Etwas mehr als eine Stunde dauert die Anfahrt zum Parkeingang. Zafera, der Führer begleitet uns. Klettergstältli anziehen und los! Seitwärts laufen, auf den Knien, mal steil hinauf und wieder hinunter. Über Leitern, Treppen, mal durch Höhlen, dann durch Cannyons oder durch Wald. Wir sehen eine grosse Ratte und Mangusten. Der letzte Aufstieg zum Aussichtspunkt hat es in sich. Das ging einiges über meine Grenzen. Aber mit Zaferas Hilfe schaffe ich es.  Ein Zurück gab es ja auch nicht. Umso gewaltiger war das Panorama. So etwas einmaliges was die Natur da geschaffen hat. Man kann nur noch staunen. Der Abstieg über die Hängebrücke und eine lange Leiter zur Kathedrale. Mangusten besuchen uns. Kakteen blühen. Das letzte Stück durch den Trockenwald ist fast Erholung. Wir beobachten viele Vögel, Wollmaki, Schmetterlinge, viele Pilze auf dem alten Holz. Mehr als vier Stunden dauerte unsere Wander- und Kletterpartie. War wunderschön und es hat sich gelohnt. Höhenangst wurde bezwungen und dem Körper das Letzte abverlangt. Ein ereignisreicher Tag.

Mittwoch, 16. September
Beim Frühstück werden wir von einer Bieneninvasion überfallen. Es ist nicht möglich, im Freien zu frühstücken. Pünktlich um 8 Uhr fahren wir zur Fähre. Bei der Abfahrt erwischt Zo den Steg nicht richtig und fährt über die Kante. Ein Krosen und beim rechten Vorderrad verlieren wir Öl. Ein anderer Fahrer hilft Zo. Unser Gepäck wird auf sein Auto geladen, damit unser Auto weniger Gewicht hat. So kommen wir 2 km weit und das rechte Vorderrad schaut nach aussen. Die Steuerung ist ab. Nun beginnt die Warterei, das hin und her. Fränzi, ich und das Gepäck fahren dann mal mit dem anderen Auto bis nach Belo. Die anderen warten, bis der Chef vom Hotel Orchid kommt und sie mitnimmt. Wir beobachten ein besonderes Schauspiel. Zwei Schlangen mitten auf der Strasse beim Paarungsspiel. In Belo werden unser Gepäck und wir ausgeladen und wir warten auf die anderen. Per SMS haben sie mir mitgeteilt, dass sie unterwegs sind. Einladen und auf die Fähre warten. Mora, Mora! Weiterfahrt auf der Sandpiste bis zum Réserve Forestière de Kirindy. Es ist schon lange dunkel. Unser Führer Christian wartet und es geht gleich zur Nachtwanderung. Fossa, Eule, Mausmacki, Chamäleon, Spinnen können wir beobachten. Nachtessen und alle wollen nur noch eines: Ins Bett.

Donnerstag, 17. September
Nach der einfachen Toilette und dem Frühstück geht’s zur Morgenwanderung, wieder mit Christian. Inzwischen ist auch Zo mit dem reparierten Auto angekommen. Hoffen wir, dass es hält. Sifaka, Rotstirnmacki, nachtaktive Lemuren beim Sonnenbaden, sehr viele Vögel und Schmetterlinge, Käfer, Spinnen, Echsen, Adler: aus den zwei werden fast vier Stunden. Es ist sehr heiss. Nach dem Mittagessen erlauben wir uns ein Mittagsschläfchen. Weiterfahrt Richtung Morondava. Zwischenstop bei den ersten grossen Baobabäumen und bei den Schnitzern in Marofandilia. Gelegenheit, die Schnitzer mit einem Einkauf zu unterstützen. Besuch beim Baum der Verliebten und zur Baobab-Allee. Hier warten wir auf den Sonnenuntergang, schauen den Kindern beim Spielen zu. Wunderschöne Farben-, und Schattenspiele bei den Bäumen. Auf der Weiterfahrt sehen wir viele Baobas im Wasser stehen. Hier ist wieder intensiver Reisanbau. Wie lange die schönen Bäume das wohl noch überleben? Bei Nacht kommen wir im Renala Hotel an. Wir wohnen in einem schönen Häuschen direkt am Meer.

Freitag, 18. September
Heute ist Ruhetag. Post und Bankgeschäfte erledigen, Andenken einkaufen und bei Irenée essen. Ein Geheimtip! Sie kann sehr gut Deutsch und kocht ausgezeichnet. Am Nachmittag schlafen und lesen. Das Baden im Meer ist uns vergangen. Am Morgen beobachteten wir, wie der Strand von den Einheimischen als WC benützt wird und so allerlei rumschwimmt. Es sieht aus wie bei uns in einem Park mit vielen Hunden. Schade, dass man das nicht anders lösen kann. Trotzdem erleben wir einen schönen Sonnenuntergang und essen wieder im Café Couleur. Zum Abschluss immer einen Schnaps. So erleben wir einen lustigen und gemütlichen Abend.

Samstag, 19. September
Wir sind für eine Mangroven Fahrt angemeldet. Uns kommt es etwas komisch vor bei ablaufendem Wasser. Aber wir machen uns auf den Weg, steigen in die Pirogen und kommen kaum bis Bethanien. Was nun? Wir können das Ganze abblasen und verschieben es auf 15Uhr. Nun sind die Kanäle gefüllt. Wir beobachten ein paar wenige Vögel, Krabben, die auf die Bäume klettern und grosse Spinnennetze. Schade, dass auch die Mangroven abgeholzt werden und zu Holzkohle verarbeitet. Bei Irenée lassen wir uns nochmals richtig verwöhnen, lernen andere Schweizer kennen, die schon 22 Jahre hier leben. Da haben wir ein empfehlenswertes Beitzli gefunden.

Sonntag, 20. September
Wir verlassen Morondava. Am Flughafen haben wir genügend Zeit, im Maki Laden einzukaufen. Hier sind die T-Shirts einiges billiger als in der Stadt. Weil fast keine Touristen kommen, versucht sie die Ware mit tieferen Preisen zu verkaufen. In Tana versuchen wir, Geld zu wechseln. Aber Traveler Checks werden keine mehr angenommen. Wir wohnen im Les trois Métis in schönen Zimmern. Den restlichen Nachmittag verbringen wir im Freien mit Jassen. Es wurde uns abgeraten, wegen der politischen Lage alleine in die Stadt zu gehen.

Montag, 21. September
Zur Abwechslung hatten wir mal ein Hundekonzert während der ganzen Nacht. Unmöglich zu schlafen. Bereits um 6 Uhr ist Abfahrt zum Flughafen und der Flug nach Maroantsetra. Alleine die Flughafenhalle ist hier ein Erlebnis. Die Gepäckausgabe wie an einer Gant. Die Nummer wird ausgerufen und gegen den Schein bekommt man das Gepäck. Auf Fränzis Rucksack spaziert ein Skorpion. Das Schönste ist das Taxi. Nur die Blechkarosse und drei Reihen Bänke. Fensterscheiben fehlen, zum Starten werden Kabel zusammengebunden, Finger auf die Hupe, Fuss aufs Gaspedal und los. Alles rennt auf die Seite. Gut, dass es aufgehört hat zu regnen. Trotzdem kommen wir gut zum Hafen, erwartet von Bruno und Augustin. Zuerst fahren wir zur Insel Nosy Mangabe. Wir bleiben auch für zwei Nächte hier. Gleich geht’s auf Wanderung. Wir beobachten: Plattschwanzgecko beim Ruhen, Raupen, Schmetterlinge, Vögel, Krabben. Kaum zurück, geht’s auf Nachtwanderung. Wieder den gleichen Weg, nur ist es schon dunkel. Zwei Arten Plattschwanzgecko, vier Schlangen, Fledermäuse, schlafender Eisvogel, Mausmaki, Ratten und am Strand rennen Krabben in Achatschneckenhäuser herum. War das interessant! In der Nacht ein heftiger Regenschauer. Aber unsere Zelte sind ja unter Dach.

Dienstag, 22. September
Bereits um 8 Uhr geht’s auf grosse Wanderung. In der Nacht hat es Fränzi erwischt mit der Touristenkrankheit und sie muss im Zelt bleiben. Wir suchen den Vari und laufen zu den Gräbern der Betsimisaraka in einer Felsgrotte. Mit lautem Gezeter melden sich die Vari an. Drei Tiere streiten mit den Makis ums Revier. Das kleinste Chamäleon, der kleinste Frosch kaum 5 mm gross, viele andere Froscharten, Skorpion, Echsen, Gottesanbeterin und viele Vögel. Auch wenn wir es nicht bis auf den Gipfel schafften, war es eine spannende Wanderung. Unglaublich, wie die Führer immer wieder die kleinsten und unscheinbarsten Tiere im Laub finden. Den Nachmittag verbringen wir mit Ausruhen und endlich im Meer baden. Schön erfrischend! Bei der Nachtwanderung gibt es nicht viel zu beobachten. Den Mausmaki und viele leuchtende Nachtfalter. Aber wir hören das Aye-Aye. Alle Lampen auslöschen und still sein. Aber es zeigt sich nicht. Wenigstens gehört haben wir es und wissen dass es in unserer Nähe war.

Mittwoch, 23. September
Diese Nacht hat es Yvonne erwischt. Doch wir müssen weiter. Abfahrt mit dem Boot um 6.50 Uhr nach Tampolo. Die Zelte sind abgeräumt und dabei finden sie unter unserem Zelt einen grossen, giftigen Käfer mit Zangen. Der hätte schön zubeissen können. Das Meer hat recht hohe Wellen. Wir fahren extra früh, weil sonst das Meer am Morgen ruhig ist. Heute ist es umgekehrt. So kommen wir halt etwas nass an. Schöne Häuschen mit WC und Dusche erwarten uns. Endlich gibt es Frühstück und wir geniessen es. Um 10 Uhr holt uns Augustin zu einer kleinen Wanderung. Sie dauert dann 3.15 Stunden, führt uns durch den Wald auf einen Hügel. Zurück können wir ein Stück dem Strand entlang laufen. Neben verschiedenen Geckos, Käfern und Fröschli sehen wir wieder ein Chamäleon. Wieder staune ich, wie sie die gut getarnten Tiere finden. Nach dem Mittagessen ist Mittagsschlaf. Wir sind alle so müde, dass wir den ganzen Nachmittag verschlafen. Am Abend geht’s nochmals auf Nachtwanderung. Chamäleon, Wollmaki, kleiner Fossa, eine Spinne webt einen Schmetterling ein.

Donnerstag, 24. September
Schon um sieben Uhr gehts auf grosse Wanderung. Eine Stunde laufen wir dem Meer entlang Richtung Ambanizana. Weiter durch den Regenwald auf der Suche vom Roten Vari. Nicht lange müssen wir ihn suchen. Schön präsentiert er sich auf einem Baum. Weiter sehen wir den grossen Tausendfüssler, den Waldeisvogel, Drongo, Paradiesvogel und den Helmet Vanga, Mähnenibis, Bambuslemur, Weisskopflemur. Die Wanderung durch den Regenwald war sehr schön und abwechslungsreich. Beim Abstieg sehen wir nochmals drei Vari. Am Meer essen wir unser Pic-nic. Nun geht’s den gleichen Weg zurück. Das anschliessende Bad im Meer ist schön erfrischend. Am Himmel ziehen Wolken auf. Aber wir hatten wirklich Glück mit dem Regen. Nur in der Nacht ein paar Regenschauer und am Tag immer schön und warm. Es ist auch unser letzter Abend mit Seheno. Nochmals haben wir es sehr lustig zusammen. Überhaupt haben wir in diesem Urlaub sehr viel gelacht.

Freitag, 25. September
Wieder ein Reisetag. Obwohl St.Marie kilometermässig nicht weit entfernt ist, müssen wir nach Tana fliegen, dort übernachten und am Morgen weiterfliegen. Schade, so verliert man viel Zeit mit Reisen und warten. Dazu jedes Mal in Tana übernachten. Wir verlassen Tampolo und mit dem Boot geht’s nach Maroantsetra. Zuletzt das Zittern, ob der Sprit reicht. Immer wieder schaut der Fahrer in den Kanister. Ab es reicht. Wir laufen über den Markt, essen dann noch eine Chinesische Suppe. Besuch bei den Tomatenfröschen und zum Flughafen. Auch hier der reinste Markt! Hühner, Katzen, Velos, Taschen, Hüte, Pflanzen, alles sollte mit. Jeder bringt etwas für die Verwandten in der Stadt. Aber alles kann wegen Übergewicht nicht mit. Da wird gewogen, umgepackt, um Kilos gefeilscht. Einem deutschen Ehepaar wollen sie tote Hühner mitgeben. Sie sollten sie dann irgend welchen Verwandten abgeben. Endlich können wir einsteigen. Aber es dauert nicht lange und alles wieder raus. Der Flieger ist defekt. Nichts geht mehr. Mora Mora. Flicken können sie nicht und der Mechaniker kommt erst am nächsten Morgen. Es wird auch schon bald dunkel. Zurück in die Stadt und wir können im Coco Beach übernachten. Alle 5 Personen inklusive Gepäck in einen alten Renault gequetscht. Auf der Fahrt nimmt er noch eine Ente und später ein Huhn mit. Wieso laufen diese Tiere auch immer auf der Strasse? Bei der Brücke über den Fluss kommt ein Angestellter mit einer Schubkarre und holt unser Gepäck ab. Ein ereignisreicher Tag und wir haben wieder sehr viel gelacht.

Samstag, 26. September
Ein Tag der Ungewissheit und Warterei beginnt. Schon um 6.15 Uhr holt uns das Taxi zum Flughafen ab. Eine Stunde später kommt der Flieger mit dem Mechaniker. Ein Teil der Fluggäste fliegt mit dem kleinen weiter. Unserer wird repariert und der Weiterflug ist um 8.20 Uhr. Schon ein komisches Gefühl. Zwischenhalt in Antalaha und Toamasina So erreichen wir Tana und dabei war St.Marie war so nahe. Nun müssen wir uns von der Priori-Tourleiterin Seheno verabschieden. Sie hat uns sehr kompetent und gut auf der ganzen Reise begleitet. Zusammen haben wir viel gelacht. Voneinander gelernt. Am Nachmittag fliegen wir endlich nach St.Marie. Zwei Tage Reisezeit von der Masoala bis zur Insel. Wir werden am Flughafen abgeholt und fahren 30 km bis zum La Crique. Es beginnt bereits zu dunkeln bei der Ankunft.

Sonntag, 27. September
Mit Gabriel überqueren wir die Insel. 7 km und ein Hügel nach dem anderen. Litchi und Mangobäume, Vanille, Zimt, Nelken, Pfeffer, Reis, Maniok, Süsskartoffeln, Ananas, Jackfrucht, Bananen, Cachutsnüsse. Obwohl es verboten ist, wird überall Brandrodung betrieben. Dazu kommen die grossen Schäden vom heftigen Zyklon im letzten Jahr. Vorallem die Nelken- und Zimtbäume sind abgestorben. Im Restaurant bestellen wir das Mittagessen. Wir fahren mit einer Piroge noch durch die Mangroven auf die Vorinsel. Überqueren sie und sitzen lange am Strand im sehr feinen Sand. Wieder zurück und unser Mittagessen ist fertig. Die Krabben wurden frisch gefangen und an einer Cocossauce zubereitet. Kann man nur empfehlen. Mitten im Nichts ein so feines Restaurant. Strohsachen, Nelken, Zimt und Vanille werden noch eingekauft. Jeder versucht, seine Produkte direkt zu vermarkten. Wir müssen den gleichen Weg zurück laufen. Ein grosses Chamäleon begegnet uns. Im Crique wird beim Sonnenuntergang noch im Meer gebadet. Zum Wandern war es sehr heiss. Wir suchten den Regenwald, aber davon ist glaub ich nicht mehr viel vorhanden. Aber den Stern von Madagaskar sahen wir an mehreren Orten blühen.

Montag, 28. September
Unser letzter, ganzer Tag in Madagaskar. Mit dem Taxi fahren wir in die Hauptstadt zum Einkaufen. Es fehlen uns noch einige T-Shirts. Den Nachmittag verbringen wir mit baden, relaxen und einpacken. Dann wird fleissig Handel betrieben. Unsere Kleider, Schuhe, Taschen, alles möchten die Angestellten tauschen gegen Gewürze, Citronelle, und Vanille. Ist auch richtig so, wenn sie tauschen oder etwas selbst hergestelltes verkaufen und nicht einfach nur betteln. So ist man auch bereit, etwas zu geben. Das Verhältnis muss ja nicht immer stimmen. Schnitzereiein werden verkauft. Ein Junge vom gestrigen Restaurant ist die 7 km gelaufen, um die letzten zwei Tafeln Schokolade zu holen. Den gleichen Weg musste er dann wieder zurücklaufen. Schade, dass im La Crique immer 5 Hunde herumrennen und ihre Häufchen liegen lassen. Auch wenn er vor der Tür liegt, wird er nicht entfernt. Einfach mit Sand zudecken und es ist erledigt.

Dienstag, 29. September
Die Information, dass der Flieger erst gegen Nachmittag fliegt, kam nicht bis zu uns. So waren wir der Meinung, es gehe bereits am Morgen los. Aber die Wegfahrt mit dem Auto ist erst um 14.30Uhr. Wir haben ja alles schon am Vorabend gepackt. So verbringen wir den Morgen mit Jassen. Der Besuch am Handwerkermarkt in Tana wird auch nichts.  Wir können gleich das Gepäck aufgeben. Mit Joslyn, der schon wieder vergebens gewartet hat, noch etwas trinken und die lange Heimreise via Paris beginnt. Für mich ist das eine Premiere. Leibesvisitation. Beine und Arme ausstrecken und alles wird abgetastet und mit einem Gerät kontrolliert. Wegen ein paar Hustenbonbons und einem Insektenstift. Aber dass Yvonne ein Taschenmesser im Fotorucksack vergessen hat, haben sie nicht gesehen!

Wir verbrachten eine sehr schöne Zeit in Madagaskar. Alles stimmte. Pannen gehören dazu. Von Priori war alles bestens vorbereitet und sämtliche Reiseleiter, Tourenführer und Chauffeure machten ihre Sache ausgezeichnet. Es hat uns so gut gefallen, dass wir die dritte Madagaskar Reise im Kopf schon entworfen haben.

Die Menschen spüren überall die politische Unsicherheit. Viele Touristen kommen nicht. So fehlt der Verdienst und die Hotelanlagen stehen fast leer. Dabei waren die Menschen so freundlich und dankbar. Aber wieder einmal trifft es die ärmste Bevölkerung und die Herren in Tana lassen es sich gut gehen.

Lisbeth Arnold – Heim