Karthala Trekking – Teil 2

Auf den Spuren des Vulkans Karthala

Der erdige Weg auf den Karthala geht durch Bananenhaine. Ihre langen Ohrenblätter glänzen hellgrün im jungen Morgenlicht. Dann wieder eintauchen in den Vegetationsdschungel. Wie Schimmel überziehen weisse und grüne Flechten die Vulkangesteine. Baumriesen spreizen ihre Bretterwurzeln über dem harten Erdengestein Faus.

An den bis zwanzig Meter hohen Stämmen klebt Moos auf der Ostseite, zur Bergflanke hin. Baumschmarotzer in den Astgabeln erinnern an Adlerhorste. Andere Baumarten sind – einem Wollkleid gleich – rundum von Moosen bewachsen. Mahagoni sowie Rosenholz fühlen sich in dieser Zone wohl und auch der violette Takamaka, aus dem Möbel sowie die reich geschnitzten Türen der Komorenhäuser gefertigt werden. In der Tropenfülle wuchern Baumfarne, ellbogenlang und an nadeldünnen Stilen leise wippend. Statt Gestrüpp wächst ein visuelles Spektakel in Grün. In Bodennähe das sirrende Summen von Insekten, weit oben das beruhigende Gezwitscher der Vögel. Der Pfad überquert eine Lavaader, sie ist so runzlig wie eine Elefantenhaut. Als schiefergrauer Wurm mäandriert sie über den Waldboden. An mehreren Stellen greift der Wulst wie gierige Drachenklauen tief hinein in die durch Grotten und Löcher aufgewühlte Erde.

Um acht Uhr sowie bei 15,2 Grad gönnen wir uns eine längere Pause auf einer Lichtung. Die Aussicht reicht weit über den Vegetationsteppich hinaus auf das unendliche Meer, das sich in der Ferne in orangerotem Morgendunst auflöst. Wie ein künstlicher Horizont segeln die Wolken eine Handspanne über den blaugrünen Ozean.

Tief unten leuchtet Moroni.

Weisse Vierecke zwischen Palmen. Die Hauptstadt der Komoren schmiegt sich an einen Naturhafen. Hinter der Brandungslinie schaukeln ein paar Pirogen. Auf der Insel sind 4000 Pirogen im Einsatz, die 4000 Tonnen Fisch pro Jahr fangen. Diese Einbäume sind aus dem Holz des Mangobaumes geschnitzt und auch aus dem sattgelben Holz des Jackfruit-Baumes. Rostrote Dächer sowie zementgraue Flachdächer umkreisen als Patchwork die Altstadt, die lavaschwarz schimmert.

Erst 1891 wurde Moroni zum Administrativzentrum. Doch die Freitagsmoschee am Hafen wurde bereits 1497 gebaut, vor wenigen Jahren wurde sie durch eine neue Freitagsmoschee ersetzt. Diese Gebetsstätte strahlt ein blütenreines Weiss herauf, also ob sie nicht nur Allah sondern auch dem Karthala gefallen wolle. Moroni hat keine hohen Bauten. Die Gebäude ausserhalb der Medina (Innenstadt) nutzen geflochtene Palmwedel als Baumaterial. Die Stadt ist umgeben von einem grünen Palmenwald, der jetzt glitzernd der Sonne entgegenblinzelt. Gegen Norden die ausgefransten Buchten. Weiter draussen die Weiler und Dörfer, so farbig wie alter Zement und verrostetes Wellblech nur sein können. In den Dörfern der Insel stehen unzählige unvollendete Zementhäuser wie kriegsversehrte Bunker, oft moosbewachsen. Es erweckt den Anschein, als ob die ganze Insel eine einzige Baustelle wäre. Doch diese Baracken spiegeln vielmehr den Willen der Väter, für ihre Töchter eigene Häuser zu bauen. Denn auf den Komoren sind die Häuser im Besitz der Frauen.

Karthala-Trekking: Norden der Komoreninsel Grande Comore

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