Archiv der Kategorie: Madagaskar NEWS

Madagaskar News

PRIORI Reisen – Madagaskar News: Nachrichten, aktuelle Meldungen und Informationen sowie brandaktuelle News aus Madagaskar sowie zum Madagaskarhaus.

Meine Urlaubswoche

Meine Urlaubswoche
Auch hier in Madagaskar ist es üblich, dass Angestellte Urlaub haben. Ich arbeite bei der Reiseorganisation PRIORI in Antananarivo: einerseits im Büro und andererseits als Tour- und Trekkingguide in ganz Madagaskar.

Während der letzten zwei Wochen hatte ich Urlaub. Dies war eine Gelegenheit, meiner Aufgabe als Sohn und auch als Vater nachzukommen.

Mein Vater arbeitet seit 1989 im Bahnhof von Antananarivo. Zu Beginn seiner Laufbahn bei der Bahn überprüfte er die Fahrgäste in den Zügen nach Tamatave, Antsirabe oder nach Ambatondrazaka. In dieser Zeit erhielten Familienmitglieder Sondertickets mit ermässigten Preisen, so dass die Reise aus der Hauptstadt heraus erschwinglicher wurde.
Mein Vater hatte also ursprünglich als Kontrolleur gearbeitet und dann in der Firma am Bahnhof in Antananarivo, die für die Instandsetzung von Lokomotiven zuständig ist, eine Ausbildung als Techniker absolviert und sich später als Metall-Fräser spezialisiert. Dann, nach einigen Weiterbildungen, stieg er zum Chef aller Techniker auf. In dieser Funktion arbeitet er bis heute.
Da die Arbeitsstelle meines Vaters in Antananarivo war, wohnen meine Eltern seit dieser Zeit in der madagassischen Hauptstadt. Nach 31 Jahren Arbeit in seiner Firma wird mein Vater in diesem Jahr in Rente gehen. Somit können meine Eltern nun in ihren Heimatort zurückziehen.
So bereitete ich in meiner ersten Urlaubswoche den Umzug meiner Eltern in ihre Heimat vor. Während der ganzen Woche, von morgens bis zum Abend, kümmerten wir uns dabei um das firmeneigene Haus, das sie all die Jahre bewohnten. Wir haben die Wände gestrichen, kleine Reparaturen gemacht und anschliessend alles sauber gemacht.

Im Haus in ihrem Heimatdorf wurden eine neue kleine Küche und eine Dusche eingebaut.
Am Samstag, den 3. Oktober 2020 sind meine Eltern dann von der Stadt aufs Land gezogen. Wir transportierten alle Möbel und alle ihre weiteren Sachen auf unseren Schultern bis zum Parkplatz, wo der Umzugswagen bereitstand. Später dann wurde alles vom Umzugswagen in ihr Haus gebracht. Das war schon eine recht schweisstreibende Arbeit für alle, aber die Hauptsache ist, dass alles gut gelaufen ist. Am darauffolgenden Sonntag haben wir alle zusammen gegessen. Die war die offizielle Begrüssung der Familie und ein „Willkommen“, denn sie sind lebendig nach Hause zurückgekehrt. Viele Familienmitglieder in Madagaskar ziehen weit von zu Hause weg, auf der Suche nach einem besseren Leben. Und dann ist es natürlich sehr traurig, wenn diese erst wieder in ihre Heimat zurückkehren, wenn sie gestorben sind.
Für unsere Familie ist es also ein wirkliches Glück, dass meine Eltern, nach zwei Nierenoperationen und einem Unfall zwar, dennoch gesund heimgekehrt sind.

Die zweite Woche meines Urlaubs habe ich zu Hause mit meiner kleinen Familie verbracht. Wir haben gelacht, uns geärgert, etwas zusammen gespielt, zusammen gegessen. Die wichtigste Sache für mich ist, zu schauen, dass der kleine Camaël, der inzwischen 3,5 Monate alt ist und Mickaëlla, die im November 3 Jahre alt wird, gesund sind.

Der Corona-Virus ist hier nicht mehr so präsent wie vor zwei Monaten und so dürfen alle Schulen ihre Türen öffnen, aber man muss immer noch auf besondere Hygiene achten. Mickaëlla hat am letzten Montag, den 5. Oktober 2020 mit der Schule begonnen. Die kleine Familie war komplett und wir haben sie alle zur Schule begleitet. Schon Monate vorher haben wir ihre Schulmaterialien gesammelt. Die Schultasche hat die Form eines kleinen, roten Rennautos und sie hat auch eine spezielle Wasserflasche von meiner Kollegin aus dem Madagaskarhaus in Basel zum Schulanfang geschenkt bekommen. So war Mickaëlla wirklich froh, zur Schule zu gehen, ohne eine Träne.

Und ich war froh, ihren ersten Schultag miterleben zu dürfen, da ich ja Urlaub hatte. Für mich war es eine unbeschreibliche und reiche Erfahrung, denn während aller wichtigen Tage in ihrem Leben vorher, wie ihre Geburt oder ihre kirchliche Taufe, war ich aufgrund meiner Arbeit, immer abwesend. So habe ich diesen Tag nun wirklich genossen.
Schliesslich nutzte ich meine Urlaubszeit noch, um unser kleines Haus zu verschönern, obwohl es noch nicht ganz fertig ist. So habe ich das Innere des Hauses in 4 Tagen gestrichen.
Die Zeit läuft sehr, sehr schnell und daher möchte ich solche Gelegenheiten einfach nicht verpassen.

Oktober 2020, geschrieben von Michaël, Trekkingführer PRIORI und Mitarbeiter im Büro PRIORI in Antananarivo

Die Brücken des Betsiboka und Kamoro

RN4 Madagaskar:
Die Brücken des Betsiboka und Kamoro
Brückenbau in Madagaskar

Die RN4 verläuft von der Hauptstadt Antananarivo nach Norden und führt nach Maevatanana. Das kleine Landstädtchen liegt an der Grenze vom Hochland hin zur Küstenebene. Maevatanana ist auch die Hauptstadt der Region Betsiboka, benannt nach dem Fluss, der das Territorium in Süd-Nord-Richtung durchfliesst.

Die Kleinstadt Maevatanana liegt auf nur 70 m ü. M. am Fluss Ikopa, der die Wasser aus der Hauptstadt heranführt. 40 km nördlich von Maevatanana fliesst der Ikopa in den Betsiboka ein, der sich seinerseits das grosse Binnendelta von Mahajunga ergiesst.

Die Brücken des Betsiboka und Kamoro

Die Brücke über den Betsiboka

Madagaskar, die Brücke über den Betsoboka

20 km östlich von Maevatanana führt bei PK 336+700 eine geradlinige Stahlbrücke über den stürmischen Fluss Betsiboka.

An dieser Stelle wurde bereits 1934 eine erste Hängebrücke mit einer Spannweite von 130 m vom französischen Unternehmen Leinekugel Le Coq erstellt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde diese Hängebrücke 1942 durch die sich rückziehenden Vichy-Truppen beschädigt. Der Mittelteil der Brücke lag zwar im Wasser, doch die anrückenden britisch-südafrikanischen Truppen konnten die eingefallene Fahrbahn trotzdem nutzen.

Am 11. September 1942 überquerte ein alliierter Stosstrupp die Brücke – trotz Beschuss der französischen Vichy-Armee. Die vom Krieg schwer beschädigte Eisenbrücke wurde abgerissen und an fast gleicher Stelle eine einfache Metallbrücke im Stil von Bailey mit gitterartigen Metallverstrebungen erstellt. Die einspurige Brücke mit 280 m Länge ist jetzt noch in Gebrauch. 2015 wurde sie renoviert.

Mit dieser Brücke führt die RN4 über ein dramatisches Szenario zwischen Wasserfall und Stromschnellen, die stufenweise hinunter in eine Schlucht führen. Während der Regenzeit drücken sich die gewaltigen Wassermengen schäumend zwischen die Felsen. Ein eindrückliches Erlebnis.

Am Ende der Trockenzeit wirken die Massen etwas weniger aufregend. Immer jedoch sind sie rotgefärbt mit Erosionserde.

Die Brücken des Betsiboka und Kamoro

Die Brücke über den Kamoro

Die charakteristische Hängebrücke über den Kamoro schaffte es im September 2017 auf eine neue Serie madagassischer Banknoten, es war der 1000 Ariary Geldschein.

Bei PK 406 führt die imposante Hängebrücke auf 206,5 Metern über den Fluss Kamoro. Die Hängebrücke wurde vom Unternehmen Gaston Leinekugel Le Cocq erbaut. (Das Unternehmen baute zwischen 1931 und 1934 drei eiserne Hängebrücken in Madagaskar: Mananjary, Betsiboka und Kamoro.)

Die Brücken über den Kamoro Fluss in Madagaskar

Die Hängebrücke über den Kamoro hat eine Spannweite von 206,5 Metern. Die 12 Befestigungsseile verlaufen über die beiden metallenen H-Pylone 22,7 m über der Fahrbahn. Die Fahrbahnträger hängen an den Trageseilen. Die zweihüftige Brücke ist vernietet.

Die elegante Brücke beinhaltet 876 Tonnen Metall. Während der eine Pylon auf einem landseitigen Sockel steht, ruht der andere auf einer Stützmauer. Von dort führt eine Zufahrtsbrücke von 56 Metern bis zum Land. Die Fahrbahn von vier Metern Breite erlaubt auf der Totallänge von 262,5 m keinen Kreuzungsverkehr.

Die ehrwürdige Brücke geriet allmählich ins Alter. Sie bildete zunehmend einen einspurigen Flaschenhals zwischen der Hauptstadt und dem Norden, durch den sich täglich rund 1000 Fahrzeuge drücken. Es gab keine Alternative zu dieser Brücke: sie war die einzige über den 145 km langen Kamoro Fluss.

2017 wurde sie vom Unternehmen Eiffage TP ausgebessert, finanziert von der Weltbank.

Die Société Eiffage ist ein 1993 durch Fusion entstandenes Baukonglomerat, zu dessen Ursprung nebst vielen anderen Bauunternehmen auch das Unternehmen von Gustave Eiffel (Eiffelturm in Paris) gehört.

Die Brücke ist ein Zeugnis industrieller Kultur und erhaltenswert. Fälschlicherweise wird sie als Eiffelbrücke bezeichnet.

Die Brücken des Betsiboka und Kamoro

Die Brücken über den Kamoro Fluss in Madagaskar

Eiffage TP erhielt auch den Auftrag für den Neubau einer 265,5 Meter langen Brücke gleich nebenan, ebenfalls finanziert durch die Weltbank. Die Arbeiten dauerten zwei Jahre und erfolgten ohne Arbeitsunfall.

Die neue Hängebrücke steht 14 Meter flussabwärts. Ihre 36 Meter über die Fahrbahn hinausragenden Betonpfeiler (Pylone) scheinen leichter und fragiler zu sein als die behäbigen Eisenpfeiler nebenan. Die zweispurige Fahrbahn von 7 Metern Breite liegt 206 Meter zwischen den Pfeilern auf einem verschraubten Eisenbett. 80 Kilometer Stahlkabel wurden benötigt und 4600 m3 Beton verbaut.

Am 17. Juli 2017 wurde die neue Brücke eingeweiht. Der damalige Staatspräsident sagte: ‘Die beiden Bauwerke symbolisieren die Vergangenheit und die Zukunft. Wir dürfen nicht ignorieren, was früher gemacht wurde zur Entwicklung unseres Landes’.

2020 PRIORI Reisen Madagaskarhaus Basel

Madagaskar Konzept der Zeit

Madagaskar ist ein französisch sprechendes Land und die französische Sprache gilt als die zweite offizielle Sprache/die Amtssprache auf der ganzen Insel. Früher wurden die Schüler ausschliesslich nur in ihrer Muttersprache unterrichtet, nach der Kolonialzeit wurde die französische Sprache gemäss dem französischen Schulsystem im Kindergarten und in den Vorschulen eingeführt. Diese Fremdsprache gilt heutzutage als die Verwaltungssprache und die Kommunikationssprache in Madagaskar (z. B. in den Werbungen oder in den Anzeigen usw.)

Eine kleine Minderheit der Madagassen beherrscht die französische Sprache. Sie verwenden viele französische Wörter im Alltag, obwohl sie diese fremde Sprache nicht fliessend sprechen. Aus diesen Gründen begehen viele Madagassen Fehlern beim Schreiben. Sie verwechseln  zum Beispiel die Zeitbestimmung wie „morgen“ und „gestern“, oder „letzte Woche“ und „nächste Woche“…

Als Beispiel können wir diese Nachricht geschrieben von diesen Madagassen nehmen: „Désolé Mr. Moi il y a un problem. Mon Oncle est mort dans le semaine prochain. Je suis ocuppee. A demain“. Wörtlich übersetzt bedeutet dies: „Entschuldigung, Ich habe ein Problem. Mein Onkel ist nächste Woche gestorben. Ich bin beschäftigt. Bis morgen „. Da diese Person die französische Sprache nicht fliessend spricht, hat er Schwierigkeit, seine Meinung in Ausdruck zu bringen. Die Zeitbestimmung „gestern“ verwechseln die Madagassen mit der „Zukunft“ und der Ausdruck “ morgen“  beziehen sie auf die Vergangenheit.

Madagaskar Konzept der Zeit
Die Franzosen und Madagassen haben jeder Ihre eigenen Zeitbestimmungen. Viele  Madagassen auf dem Land gehen nicht in die Schule, lernen nicht richtig diese Fremdsprache, doch verwenden sie ein paar französische Wörter in Ihrem Arbeitsplatz, ohne  die Bedeutung der Wörter oder der Adverbien richtig zu verstehen.

Viele Madagassen leben unter schwierigen Lebensbedingungen, sie leben sozusagen „von der Hand in den Mund“ und müssen ihr tägliches Brot jeden Tag verdienen oder Ihre Schulden am nächsten Tag schon begleichen.

Dieser Idee entspricht genau dem madagassischen Ausdruck: „izay hohanina anio tadiavina androany»: was man heute verdient, muss man heute schon ausgeben“. Die madagassischen Wörter „Anio“ und „Androany“ bedeuten „heute“ oder „an diesem Tag“  und diese beziehen sich auf die Gegenwart, bzw. sie müssen heute alles ausgeben und sind nicht in der Lage an die Zukunft zu denken.(Keine Ersparnis)

Der Sinngehalt beim Ausdruck „Aleo maty rahampitso toy izay izay maty androany“ lautet „besser morgen sterben als heute“ bedeutet, dass die Madagassen sich verschulden müssen, um zu überleben, anders gesagt: sie müssen für heute Kredit nehmen und am nächsten Tag ist dann die Frage, ob sie fähig sind, Ihre Schulden zurückzahlen und auf diese Weise könnten sie natürlich kein Geld sparen.

Madagaskar Konzept der Zeit
Die „Ntaolo“ oder die Alten werden als kenntnisreiche Personen betrachtet. Aus ihren Lebenserfahrungen und Ihrem Alltag ziehen sie die Morallehre und geben gutes Vorbild, Weisheit und Kenntnisse an ihre Nachfahren weiter. Die Sprichwörter, Ausdrücke Redewendungen und Erzählkunst spiegeln die Denkweise und Philosophie der Madagassen.   Deswegen spielt die Vergangenheit eine wichtige Rolle für die Madagassen, aus den Erfahrungen von ihrem Alltag ziehen sie die Lehren für die Zukunft.

Das madagassische Wort „Taloha“ oder „Teo Aloha„, bezeichnet die  Vergangenheit. Das Adverbium „aloha“ bedeutet „vorne“ und sein Gegenteil „aoriana“  bedeutet „hinten oder  „hinter“. Der Buchstabe „T“ bezeichnet die Vergangenheitsform in der madagassischen Sprache. Die Zeitbestimmung  „Aloha“ wird zur Vergangenheit mit „Taloha“ und dieses Wort zeigt, dass die Tatsache schon vergangen ist.

Die Wörter „any aoriana any“ oder „any aoriana“ beziehen sich auf die Zukunft, oder auch etwas,  das noch nicht stattgefunden hat oder was noch hinterher passiert, aus diesen Verwechselungen aus der „Zukunft „und „Vergangenheit“ sind die Missverständnisse in der oben geschriebenen Nachrichten entstanden.

Für die Madagassen bedeutet heute „anio“ oder „androany“ und gestern heisst „omaly“.  Vorgestern heisst wörtlich „afakomaly“ und morgen oder am nächsten Tag heisst „rahampitso“, am übernächsten Tag“ bedeutet „rahafakampitso

Madagaskar Konzept der Zeit
Die Franzosen und Madagassen schätzen die Zeit unterschiedlich ein und im Bezug auf die französische Sprache verwechseln die Madagassen die Zeitbestimmungen. „Anio“ bezeichnet die Gegenwart und „Omaly“ deutet ein Tag früher. „Omaly“ ist also bereits passiert und laut der madagassischen Kultur ist die Vergangenheit viel wichtiger als die Zukunft.

Die Franzosen betrachten den Zeitraum als eine imaginäre Linie, auf der sie sich bewegen können. Andererseits denken die Madagassen, dass die Zeit sich ständig bewegt, also ob sie die Person einholen oder überholen könnte. Die madagassische Begrüssung am Anfang des Jahres lautet „arahaba tratra ny taona„, wörtlich bedeutet dies: das neue Jahr hat uns wieder eingeholt“, dieser Ausdruck bedeutet, als ob die Madagassen vor dem neuen Jahr her gelaufen wären.

Die französischen und madagassischen Satzbildungen sind ganz verschieden. In der Aktivform steht das madagassische Verb am Anfang des Satzes. Je nach der Zeitform ändert sich immer die Buchstabe am Anfang des Verbs. Das Verb beginnt mit dem Buchstaben „M“ um die Gegenwart auszudrücken, mit  einem „N“, für die Vergangenheit und mit einem „H“ für die Zukunft.

Zum Beispiel: die Vergangenheitsform des Satzes:„ich habe gestern die Lektion gelernt“ wird: „Nianatra lesona aho omaly“ geschrieben. Für die Gegenwart „ich lerne die Lektion jetzt“ heisst es „Mianatra lesona aho izao“ und für die Zukunft „ich werde morgen die Lektion lernen“ heisst es:„Hianatra lesona aho rahampitso“.

Die französische Satzbildung ist viel leichter: Das Subjekt steht meistens am Anfang des Satzes, an der zweiten Stelle steht das Verb und die Ergänzung steht ganz am Ende. Die Madagassen schreiben zwar auf Französisch, doch die meisten denken auf madagassisch und so entstehen die Missverständnisse und die Verwechselung bei der Zeitbestimmung.

Die Zeiteinteilung ist in jedem Land anders.  Madagaskar  ist das Land des „Moramora“ , das heisst „langsam langsam“ „immer mit der Ruhe“ „Zeit nehmen“, oder „nicht hetzen“, so ist die Zeitbestimmung vage und relativ .Die Madagassen halten die Vergangenheit viel wichtiger als die Zukunft.

Oktober 2020 geschrieben von Koloina
PRIORI Antananarivo

Sozialhilfe in Madagaskar

Sozialhilfe in Madagaskar

Madagaskar gehört weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt, so dass die Corona-Krise hier besonders starke Folgen im täglichen Leben der Madagassinnen und Madagassen zeigt. So steigt beispielsweise die Arbeitslosigkeit immer weiter an und das Einkommen der Familien verringert sich.

Um diese Folgen zu mindern, organisiert der Staat, zusammen mit internationalen Organisationen, Hilfen, die der Bevölkerung dienlich sind.

So organisierte der madagassische Staat zuerst eine Sanitärhilfe, das heisst, es wurden zahlreiche Zentren zum Kampf gegen die Infektion mit Covid-19 in der Hauptstadt Antananarivo und in einigen Regionen der Insel eröffnet. Das Ziel war, dass an Covid-19 Erkrankte so schnell wie möglich behandelt werden konnten und alle nötigen Medikamente, ohne sie selbst bezahlen zu müssen, erhielten. Die Anzahl dieser Zentren war aber nicht völlig ausreichend, weswegen ein Teil der Erkrankten zu Hause bleiben und mit Hilfe ihrer Familie genesen sollte. Dabei machen die Ärzte ab und zu Kontrollen per Telefon oder kommen, wenn nötig, zu den Kranken nach Hause. Die Arzneimittel bekommen die Betroffenen jedoch in jedem Fall immer kostenfrei vom Staat.

Des Weiteren hat der Staat seine Bürger ermutigt, sich, sollte man Anzeichen einer Covid-19-Erkrankung verspüren, sofort in eine Krankenstation zu begeben, um Medikament zu erhalten, die dann eingenommen werden können. Inzwischen nehmen die Krankheitsfälle ab, aber alle Verantwortlichen sind nach wie vor sehr wachsam.

Sozialhilfe in Madagaskar
Parallel zu der Ankunft von Covid-19 in Madagaskar, begann der Staat Nahrungs- und Finanzhilfe zu leisten. Am Anfang war es der „Tsena mora“ („billige Markt“), wo beispielsweise 3 bis 5 kg Reis, ein Liter Öl, Zucker und andere Grundnahrungsmittel, wesentlich günstiger als auf dem normalen Markt, angeboten wurden. Dann wurde die „Tosika fameno“ („ergänzende Hilfe“) organisiert. Dabei handelt es sich um die Verteilung von jeweils 100 000 Ariary an bedürftige Familien der Stadt. Später wurde ein Betrag von jeweils 30 000 Ariary verteilt und eine bereits vorher erstellte Liste von Lebensmitteln, die man in einem Geschäfte holen kann. Inzwischen heisst die Hilfe „Vatsy Tsinjo“ („Essensvorräte-Hilfe“), in Form eines Sackes von 50 kg, mit Reis, anderem Getreide, Öl und anderen Grundnahrungsmitteln. Diese Art von Hilfe wird von vielen Familien gerne angenommen.

In diesem Schuljahr zahlen die Eltern bei den staatlichen Schulen kein Schulgeld mehr. Sie müssen sich vielmehr nur um das Schulmaterialen kümmern, was die finanzielle Situation der Eltern natürlich sehr erleichtert.

Andere Länder, ausserhalb von Madagaskar, geben auch diverse Hilfen.

Nachmittags ist im Fernsehen eine staatlich organisierte Sendung zu sehen, welche Informationen über die Entwicklung der Zahl der Infizierten gibt. Hier werden auch Ärzte und weitere Fachleute aus unterschiedlichen Fachgebieten eingeladen, die über alles sprechen, was mit der Covid-19-Pandemie zusammenhängt.

Sozialhilfe in Madagaskar
Sehr viele Leute haben jetzt auch psychische Probleme und verlieren das Vertrauen in sich und das Leben. Gleichzeitig können vermehrt psychosomatische Erkrankungen wie hoher Blutdruck oder Herzprobleme festgestellt werden. Leider wird von 99 Prozent der Bevölkerung kein Psychologe konsultiert, da die meisten gar nicht wissen, dass ein solcher existiert und zu Rate gezogen werden könnte. Auch könnte man sich eine Behandlung wohl gar nicht leisten.

Daher wird in der Fernsehsendung auch psychologischer Rat gegeben und Beistand geleistet. So machen die dort eingeladenen Ärzte Vorschläge und geben Rat, wie Stress vermieden oder bekämpft werden könnte oder wie man ein gutes Familien- oder Sozialleben pflegen kann.

Es gibt viele soziale Schwierigkeiten, aber die Madagassinnen und Madagassen versuchen nun wieder vermehrt „aufzustehen“ und diese zu überwinden.

Antananarivo, 21. September 2020; geschrieben von Michaël, Trekkingführer PRIORI und Mitarbeiter im Büro PRIORI in Antananarivo

2020 RN2 Madagaskar

2020 RN2 Madagaskar

Fahrt auf der RN2 von Antananarivo nach Tamatave (Toamasina). Die Fahrt wurde am 11. September 2020 gemacht, als also der Fernverkehr zwischen den Provinzen wieder schrittweise erlaubt war. Die Bilder zeigen Strassensituationen und Leute – mit und ohne Gesichtsmasken. Corona Covid-19 ist in Madagaskar weiterhin ein Thema.

Die RN2 verbindet die Hafenstadt Tamatave mit der Hauptstadt Antananarivo und ist die meistfrequentierte Strasse Madagaskars. Derzeit ist die Verkehrslage eher ruhig. Wie immer sind Lastwagen unterwegs, die Fracht vom Hafen auf das Hochland bringen, also nach Antananarivo und Antsirabe. Privatwagen sind selten unterwegs. Das spüren auch die Restaurants unterwegs und die vielen Strassenverkäufer. Sie leben von den Passanten und die sind jetzt – kurz nach der Öffnung der Strasse – noch selten.

Die Fahrt wurde gemacht von der PRIORI-Chefin Bettina, die ja ursprünglich aus Tamatave stammt. Sie durfte nun erstmals seit Februar wieder ihre Eltern in Tamatave besuchen.

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Corona September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 Covid-19 September 2020

Madagaskar RN2 September 2020

Madagaskar RN2 September 2020

Madagaskar: Corona und Transport

Madagaskar: Corona und Transport

Madagaskar Transport

Madagaskar Transport

Die Zahl der Infizierten wird jetzt in Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar, weniger und weniger. Der Präsident hat gestern (Sonntag, 6. September) behauptet, dass die Krankheit unter Kontrolle sei. Somit werden die Einschränkungen zunehmend leichter und leichter. Normalerweise muss man weiterhin vorsichtig sein, aber diese Behauptung des Präsidenten bedeutet für viele Leute endlich etwas Freiheit und den Weg zurück zum normalen Leben, das heisst zur ehemaligen Gewohnheit.

Madagaskar: Corona und Transport
Das tägliche Leben in der Stadt beginnt, wieder fliessend zu werden. Seitdem die ‘Taxi Be’ (der öffentliche Personenverkehr) wieder arbeiten, atmen die Leute ein bisschen auf; das war für die meisten eine Linderung. Wir haben hier zwei Arten von Taxi Be: die eine sind die sogenannten ‘Sprinter’ oder ein Lieferwagen, der für den Personenverkehr umgebaut wurde. Diese dürfen vier Personen nebeneinander in einer Reihe sitzend aufnehmen. Die andere Art sind kleine Mazda, wo drei Personen pro Reihe sitzen. Bis jetzt haben sich die Kosten für den Personentransport noch nicht geändert. Trotzdem müssen alle Angestellten sehr früh aufstehen, um den Verkehrstau zu meiden.

Madagaskar: Corona und Transport
Mein kleiner Bruder hat seine Freundin an der Ostküste Madagaskar, genauer in Tamatave, gefunden. Vor zwei Monaten, wegen des Lockdowns von Antananarivo und Tamatave, hat das Paar dort staatlich geheiratet. Normalerweise muss eine Hoheit ein grosses Familienfest sein. Wir aus Antananarivo konnten nicht dabeisein. Dies ist traurig, aber wir sind froh, dass er den Mut hatte, die Hochzeit ohne seine Familie durchzuführen. Jetzt ist der Autotransfer zwischen Antananarivo und Tamatave wieder geöffnet, aber man darf nur unter gewissen Bedingungen fahren: so muss man vorher einen Corona-Test machen. Die Abfahrt ist nur am Vormittag erlaubt, die direkte Fahrt dauert mindestens 8 Stunden. Die Fahrzeuge müssen vor der Sperrstunde am Ziel ankommen. Die Busfahrer nehmen die Reisenden mit vollständigen ‘Manifest’, in dem alle Informationen über die Reisende stehen, nur in der Bushaltestelle in Antananarivo und im Terminus ist Tamatave auf. Das heisst, die Fahrzeuge dürfen unterwegs keine Passagiere aufladen und keinen Zwischenstop machen.

Der regionale Transport innerhalb der Provinz von Antananarivo wird auch bald öffnen.

Antananarivo Transport

Antananarivo Transport

Madagaskar: Corona und Transport
Die Lastwagen hingegen arbeiteten ohne Stop, die Versorgung der Stadt wurde nicht unterbrochen. Die Region hatte und hat glücklicherweise keinen Nahrungsmangel seit dieser Corona-Zeit. Die meisten der Familien haben aber finanzielle Schwierigkeiten. Doch jeder gibt sein Bestes, um für seine Familie zu sorgen. So wird beispielerweise ein Busfahrer zum Mauerer; wer ein Motorrad hat, macht ‘Taxi Moto’. Wer ein Fahrrad hat, macht damit auch Taxi. Einige sind aus der Stadt zurück aufs Land gegangen und pflanzen Produkte. Zuweilen machten einige auch nicht legale Sachen, aber das war egal. Dem Gedanken, irgendwie durchzukommen, waren keine Grenzen gesetzt.

Jetzt steigen die Kosten etwas. Ein Kilo Reis ist jetzt 2000 bis 2 300 Ariary. Generell kann man aber sagen, dass die Lebenshaltungskosten ziemlich stabil geblieben sind. Kartoffeln kosten 1200 Ariary das Kilo, Karotten 1000 Ariary, ein Blumenkohl kostet je nach Grösse 2000 bis 3000 Ariary. Wir haben also noch etwas Glück.

Madagaskar: Corona und Transport
Jetzt stellen wir fest, dass die Anstrengungen, die der Präsident unternommen hat und die Schwierigkeiten, die die Menschen in diesen letzten fünf Monaten zu bewältigen hatten, etwas gegenüber der Krankheit gebracht haben. Wir haben die Hoffnung, dass alles besser wird. Wie der Präsident gesagt hat, werden auch die Binnenflüge und die internationalen Flüge je nach Situation bald öffnen. Wann genau das sein wird, wissen wir nicht. 

Die grösste Auswirkung dieses Lockdowns von Madagaskar betrifft den Tourismus. Unsere touristische Saison fängt ab April oder Mai an. Die Covid-19 Pandemie war wie ein Hammerschlag auf den Kopf. Die meisten der Reiseveranstalter haben geschlossen und viele Angestellte sind der technischen Arbeitslosigkeit (chômage technique) ausgesetzt. Ebenso alle Angestellten im Zusammenhang mit dem Tourismusbereich: Handwerker, Hotelarbeiter, Autovermietung und viele andere. Der ganze Sektor hat Probleme. In unserem Land haben wir keine Versicherung, die sich um diese Leute sorgt. Vielleicht ist die Öffnung des Himmels für Flugzeuge eine Lösung für das Problem. Wir haben dieses Jahr noch drei Monate, man weiss noch nicht, was alles passieren wird. Aber wir hoffen auf etwas Gutes.

Antananarivo, 7. September 2020; geschrieben von Michaël, Trekkingführer PRIORI und Mitarbeiter im Büro PRIORI in Antananarivo

 

Madagaskar: Geburt während Corona

Centre Hospitalier Universitaire de Gynécologie Obstétrique Befelatanana, Madagascar

Madagaskar: Geburt während Corona

Als Corona auch in Madagaskar zum Problem wurde, war meine Frau bereits schwanger. Unser zweites Baby kam im Spital zur Welt.

Wir wohnen ausserhalb der Stadt und fuhren mit dem Taxi zur Entbindungsstation. Dort untersuchte die Hebamme sofort meine Frau. Sie kam nach ein paar Minuten mit einer Liste von Medikamenten und Materialen zurück, die wir zu kaufen hatten.

Diese Station ist das grösste staatliche Entbindungsheim in Madagaskar. Alle Dienste sind frei, aber den Rest muss man bezahlen. Im ‘Centre Hospitalier Universitaire de Gynécologie Obstétrique Befelatanana’, wie das dem Universitätspital angegliederte Institut heisst, kommen jährlich über 8000 Babys zur Welt.

Am Ankunftstag, als mit der Liste alles in Ordnung war, suchten wir einen Raum, wo wir während unseres Aufenthalts bleiben konnten. Wir fanden ihn im zweiten Stock. Die Verantwortliche hatte uns erklärt, dass es zwei Arten von Räumen gebe. Ich besuchte die Räume erst, um mich zu entscheiden.

Madagaskar: Geburt während Corona
Einerseits gab es vier gemeinsame Räume, die kostenlos sind. Es war eng und acht Betten standen in einem Räum. Es waren nur gerade ein oder zwei Betten frei. Bei jedem Bett hielten sich zwei Personen auf: die neue Mutter auf dem Bett und ein Verwandter, der auf dem Boden schlief und auf das Gepäck aufpassen sollte. Zudem musste er oder sie für das Essen der jungen Mutter sorgen. Die Räume waren sehr voll. Jetzt im Winter war es kalt und alle Fenster waren geschlossen.

Andererseits gab es die zweite Option mit drei Räumen. Hier musste man bezahlen. In einem Zimmer standen ein oder zwei Betten, aber man hatte ein bisschen mehr Platz. Wir entschieden uns für ein Zimmer mit zwei Betten.

Im Krankenhaus gab es eine Apotheke, aber es gab auch ein paar Arzneien, die sie nicht führte, so musste ich jeweils nach draussen gehen und die Medikamente bei anderen Apotheken suchen.
Das Krankenhaus macht keine Bluttests. Wenn dies nötig ist, so muss man den Test ausserhalb in einer privaten Klinik machen. Dann muss man mindestens 12 Stunden auf das Resultat warten.

Die Geburt verlief am Mittwoch dem 17. Juni um 16h55 ohne weitere Komplikationen. Eigentlich hätte das Baby zwei Tage früher kommen sollen. Wenn wir danach Probleme mit dem Baby hatten, brachten wir es zur Hebamme. Eines nachmittags hatte das Kind Atmenprobleme. Die Hebamme brachte das Baby sofort zur Intensivstation.

Jeden Morgen kamen jeweils zwei Ärzte auf Visite, der Eine untersuchte die Mutter und der Kollege das Baby. Beide schrieben täglich immer neue Rezepte. Ich musste dann sofort alle Medikamente besorgen, die die Ärzte verschrieben hatten.

Centre Hospitalier Universitaire de Gynécologie Obstétrique Befelatanana, Madagascar

Madagaskar: Geburt während Corona
Natürlich schwebt seit Monaten die grosse bedrohende Wolke namens „Corona“ über uns, besonders in Antananarivo. Ich war erstaunt, dass das Entbindungsheim in der Hauptstadt immer voll von Leuten war. Das bedeutet, dass die Leute in Madagaskar trotz Allem Vertrauen ins Gesundheitssystem haben – oder sie haben nicht genug Geld, um in ein privates Entbindungsheim zu gehen. Die Hebamme, die Ärzte, die Krankenpfleger, die Praktikanten waren immer hilfreich und schafften ihre Aufgaben sehr gut.

Die Realität ist, dass die Bewohner Angst vor dem Coronavirus haben, aber ihnen das Leben noch wichtiger ist.

Das Krankenheim sortiert zwar die Leute beim Eingang aus und wer eintreten darf, muss verschiedene Bedingungen respektieren:
Man muss die Hände waschen und Mundschutz tragen, es wird die Temperatur gemessen, Krankenbesuche sind verboten, und nur immer die gleiche Person darf das Essen bringen. In unserem Fall brachte mein Vater abends das Essen. Morgens und mittags kaufte ich etwas in der Kantine des Spitals oder ausserhalb in einem Hotely (kleines Restaurant). Das Spital selbst liefert den Patienten kein Essen.

Centre Hospitalier Universitaire de Gynécologie Obstétrique Befelatanana, Madagascar

Madagaskar: Geburt während Corona
Nach der Geburt blieben wir vier Tage und drei Nächte im Krankenheim. Mit einem gesunden Baby verliessen wir die Entbindungsstation. Jetzt und fortan tragen wir Sorge zu unserem neuen Nachwuchs. Es ist ein Junge, der den Namen Finaritra Lauviah Camaël RAVONJISON trägt. Wir nennen ihn kurz Camaël.

Finaritra ist ein madagassischer Jungenname und bedeutet ‘zufrieden‘. Lauviah ist ein Schutzengel und Camaël ist ein Erzengel. Beide Namen habe ich im Internet entdeckt und Gefallen daran gefunden. Unsere Tochter, Rova Niaina Michaëla, ist jetzt zweieinhalb Jahre alt und hat ebenfalls grosse Freude an ihrem kleinen Brüderchen.

geschrieben von Michaël, Trekkingführer PRIORI und Mitarbeiter im Büro PRIORI in Antananarivo

Madagaskar: Tamatave und die Zyklon-Gefahren

Madagaskar: Tamatave und die Zyklon-Gefahren

Da Madagaskar eine grosse Insel im Indischen Ozean ist wird sie jedes Jahr von Wirbelstürmen bedroht. Die am stärksten betroffenen Gebiete sind der Norden Madagaskars und die Ostküste, wo sich auch Tamatave befindet. Die Menschen, die in Tamatave leben, bereiten sich immer auf das Schlimmste vor, wenn bekannt wird, dass sich im westlichen Indischen Ozean ein Zyklon bildet.

Madagaskar: Tamatave und die Zyklon-Gefahren
Die Zyklonsaison dauert vom Januar bis in den Mai, und man weiss nie lange im Voraus, wann sie “angreifen“. Manchmal wird Madagaskar im Laufe eines Jahres zwei- oder dreimal von Zyklonen getroffen, und einer von ihnen zieht dann mit grosser Wahrscheinlichkeit über Tamatave. Die Region um Tamatave (Toamasina) liegt auf Meereshöhe und kann daher sehr leicht überschwemmt werden wenn heftige Regenfälle über Stunden fallen. Auch wenn die Bewohner über die Gefahren eines aufziehenden Zyklons gut informiert und auch mobilisiert wurden und sie glauben, gut vorbereitet zu sein, ist Tamatave nach dem Durchzug eines Wirbelsturms oft zerstört. Überall gibt es sind Schäden, die Hälfte der Einwohner ist betroffen; fast alle Häuser sind beschädigt, besonders die Holzhäuser der Bewohner im unteren Bezirk. Gebäude, Infrastrukturen sind reparaturbedürftig, und oft ist ein ganzer Bezirk völlig überflutet.

Madagaskar: Tamatave und die Zyklon-Gefahren
Vor einigen Jahren wütete ein Zyklon an der Ostküste Madagaskars, ich und meine Familie gehörten zu den Opfern, es war nicht das erste Mal, dass wir diese Situation erlebten. Es war eine schlimme Erfahrung, denn wir verloren in wenigen Minuten alles was wir hatten, unser Haus wurde zerstört, all unsere Geräte und unsere Ernte wurden während dieses Wirbelsturms ruiniert. Glücklicherweise zogen wir in eine Schule um, als die Medien den Hurrikan-Alarm ankündigten, denn dies war der einzige sichere Ort, an dem wir während dieser Katastrophe Schutz finden konnten. Es war nicht leicht, in einer solchen Situation zu leben, wir mussten unser Haus nur mit unseren Händen wieder aufbauen, und nach einem Zyklon ist es immer schwierig, Nahrungsmittel zu finden. Und selbst wenn man Nahrung findet, ist sie sehr teuer. Wir erhielten zwar Unterstützung von der Regierung, aber das reichte nicht aus. Und diese Hilfe ist ja nur vorübergehend, also mussten wir mit dem leben, was wir hatten.

Madagaskar: Tamatave und die Zyklon-Gefahren
Kurz gesagt, es ist gar nicht so einfach, in einem tropischen Land zu leben, besonders wenn man an der Küste lebt, denn man kann jederzeit mit Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Zyklonen konfrontiert werden.

Françoise / 17. Juli 2020

Madagaskar: Der Nationalfeiertag und ich

Madagaskar: Der Nationalfeiertag und ich

Der 26. Juni ist ein historisches Datum für das gesamte madagassische Volk, es ist die Feier des Unabhängigkeitstages, er wird auch Kindertag genannt. Am Nationalfeiertag an dem alle feiern ist alles erlaubt. Wir sehen fast alle Arten von Festen mit Tänzen und Lieder, immer steht die madagassische Kultur im Mittelpunkt. Am Vorabend des Festes findet der Laternenkarneval statt, und das ist für alle, vor allem für die Kinder, der grösste Spass.

Madagaskar: Der Nationalfeiertag und ich
In diesem Jahr konnte ich wegen der Pandemie nicht wie jedes Jahr den Nationalfeiertag feiern, weil während dieser Gesundheitskrise alle Arten von Feierlichkeiten verboten waren. Ich war bei meiner Familie auf dem Land. Es war sehr schön für mich, bei meiner Familie zu sein, auch wenn es keine Feierlichkeiten gab. Doch jeder tat sein Bestes, um diesen Tag zu etwas Besonderem zu machen, auch wenn er nicht wie üblich war. Meine Familie und ich assen mit unseren Nachbarn. Während eines solchen Festes bereiten die Jungen in der Familie die Mahlzeiten zu, während die Älteren warten und miteinander reden. Es war kein grosses Fest, es gab nur ein paar kleine Dinge zu essen und zu trinken. Auch wenn es kein grosses Festmahl war, aber wir teilten und das war die Hauptsache. Teilen stärkt unsere Solidarität und unsere Freundschaft als Nachbarn.

Auf dem Land sind Solidarität und Respekt immer noch sehr stark ausgeprägt, so dass an den Nachmittagen von allen Festtagen die “Alten“ des Dorfes besucht werden, um sie um ihren Segen zu bitten. Aus Respekt überreichen wir ihnen Geschenke wie alkoholische oder nicht alkoholische Getränke und/oder einen Hahn. Dies ist eine Möglichkeit, ihnen unseren Respekt zu erweisen und auch die Solidarität zwischen den Familien des Dorfes zu stärken. Also ging ich am Nachmittag des Nationalfeiertags zu einigen Freunden, um ihre Eltern zu begrüssen und ihnen Getränke zu bringen. Und dann am Abend, als wir eigentlich Laternenkarneval machen sollten, sahen wir uns mit der ganzen Familie und unseren Nachbarn einen Film auf meinem Computer an.

Madagaskar: Der Nationalfeiertag und ich
Es war wirklich schön an diesem Tag, obwohl er nicht richtig gefeiert wurde, ich hatte trotzdem eine gute Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden. Ich freute mich, die glücklichen Gesichter der Dorfbewohner zu sehen. Selbst zwei Tage nach dem Nationalfeiertag feierten einige weiter und besuchten ihre Familien, die weit weg wohnen.

Vielleicht werden die Feierlichkeiten im nächsten Jahr angenehmer sein wenn diese Gesundheitskrise überstanden sein wird.

Françoise / 17. Juli 2020

Corona: mein Arbeitsweg

Montag, 27. Juli 2020 Antananarivo

Corona: mein Arbeitsweg
Während der nächsten 15 Tage wird ganz Madagaskar erneut unter dem Gesundheitsnotstand stehen. Denn der Virus von Covid-19 verbreitet inzwischen auf der ganzen Insel.

Hier in Antananarivo leben 90 Prozent aller betroffenen Corona-Fälle, deswegen ist man in der Bewegungsfreiheit arg eingeschränkt: der öffentliche Verkehr arbeitet nicht; alle Geschäfte sind noch zu. Einzig die Geschäfte für den Grundbedarf dürfen geöffnet sein, also Läden für Nahrungsmittel, Apotheken und Banken. Einzelne Restaurants dürfen ab heute wieder öffnen. Ab 13 Uhr ist es verboten, nach draussen zu gehen.

Corona: mein Arbeitsweg
Wir hatten das Büro nun wieder vier Wochen geschlossen. Nun ist es ab heute (27. Juli 2020) wieder gestattet, Büros und Betriebe zu öffnen, aber nur halbtags. Wegen dieser Situation bin ich heute von Zuhause bis zum Büro etwa 15 km zu Fuss gegangen. Ich bin um 05h20 von Zuhause weg, der Morgen war noch sehr dunkel und sehr kalt, es ist jetzt Winter bei uns. Während des ersten Teils des Marsches traf ich sehr viele Leute, die vom Land herkommen. Sie tragen unterschiedliche Gemüse, Ravitsara und andere Sachen auf dem Kopf für den lokalen Tagesmarkt. Die Leute versuchen so früh wie möglich auf dem Markt anzukommen, denn alles, was Sie heute bringen, müssen sie auch heute verkaufen, sonst verderben die Gemüse und Salate, denn kein Bauer hat einen Kühlschrank zu Hause. So verkaufen die meisten ihr Produkt unter dem normalen Preis. Früher zogen die Bauern Karren voll von unterschiedlichen Produkten auf den Markt, so verdienten sie genug für das Leben, früher auch waren sie sicher, dass sie alle Ihre Produkte verkaufen konnten. Aber heute mit nur einem Sack auf dem Kopf reicht es nicht. Ein madagassisches Sprichwort sagt aber „besser ein bisschen essen als nichts im Topf zu haben“.

Nach dem Dorf, wo es Märkte gibt, war der zweite Teil des Marsches sehr ruhig, es war fast niemand unterwegs, unglaublich. Normalerweise wecken die Madagassen ihre Kinder jeden Morgen sehr früh, um das Frühstück für die Kinder, die zur Schule müssen oder für alle, die zur Arbeit gehen, einzunehmen, denn 90 Prozent von uns benutzen noch Holzkohle und die Vorbereitung braucht viel Zeit. Diesen Morgen war alles noch zu: Häuser, Geschäfte und die Strassen waren leer.

Corona: mein Arbeitsweg
Mit Beginn der Stadt gab plötzlich es einen Stau. Die Privatautos, die Taxis, die Motorräder und Fahrräder dürfen jetzt auch wieder bis 13 Uhr fahren. Heute gab es viele Autos, aber nicht wie in normalen Zeiten. Es waren auch sehr viel leere Taxis unterwegs, denn eine Privattaxifahrt ist zu teuer für die Leute. Von wo ich wohne bis zur Stadt bezahlt man etwa 40.000 Ar (rund 10 Euro/Franken) für eine Taxifahrt. Das kann man sich nicht leisten. Die meisten fahren daher mit dem Fahrrad oder gehen zu Fuss.  Ein langer Arbeitsweg, aber immerhin habe ich eine Arbeit

Michaël, Trekkingführer PRIORI und Mitarbeiter im Büro PRIORI in Antananarivo