Karthala Trekking – Teil 3

Entdeckung der Flora und Fauna während des Karthala Trekkings

Die Sonne drückt nun fahl durch den kühlen Naturwald während des Aufstiegs auf den Karthala. Der Weg ist schwarz, der Lehm ist schwarz, die Steine sind schwarz. Bienen schwirren in der glasklaren Luft. Das Quaken der Frösche ist zu hören. Halbwilde Zeburinder grasen im Gehölz. Sie sind kaum sichtbar, nur ihr Brüllen tönt herüber.

Auf vermodertem Holz haften Orchideen, ihr feingliedriges Wurzelgeflecht um das Holz gespannt wie ein Spinnennetz. Die Bäume haben ihr Wurzelwerk breit über das Felsengestein verzweigt, bis sie einen Einlass ins Erdreich gefunden haben.

Auf 1400 M.ü.M. ist der halbe Weg gemacht. Die Vegetation ist nun weniger dicht. Hier überleben bloss noch zehn Meter hohe, dünnstämmige Bäume, verkrüppelt wie in den Hochalpen Europas. Überall diese Moosbärte, die sich an Stämmen sowie Ästen festsetzen und wie Bärte des Propheten wuchern: grün und braun. Allmählich weicht der Feuchtwald einer Art Hochweide. Rinder mit wulstigen Nackenhöckern sind an langen Seilen angebunden. Wie Staub tröpfelt ein kühler Nieselregen aus dem Himmel. Unverhofft gelangen wir zu einem aus klobigen Steinen errichteten Unterstand für die Rinderhirten, dahinter zwei verlassene Häuser, aus Vulkangestein geschichtet und auch sie mit schillerndem Moos bemalt. In einiger Distanz schlägt jemand Holz, auf den Schlag folgt das Zittern des Echos. Die Person ist aber nicht zu beobachten.

Auch Moroni ist nun nicht mehr im Blickfeld, hingegen der internationale Flughafen Hahaya im Nordwesten, der pro Jahr 40000 Passagiere und 3000 Tonnen Fracht abwickelt. Im Norden wellt ein Sattel hin zum Zwillingsvulkan La Grille. Wie eine alte Säge heben sich die Spitzen des Nordberges als blauer Scherenschnitt vor den weissen Wolkenbüscheln ab. Rauch steigt an mehreren Stellen wie Feuerzeichen hoch. Unter uns fällt der Wald ab in einen See aus blauem Licht. Im Dunsthorizont ist nicht auszumachen, wo das Meer in den Himmel übergeht. Ein weisses Wolkenband umgibt den Karthala sowie die Insel wie einen Heiligenschein.

Im Süden hebt sich die Silhouette der Insel Mohéli ab. Auf ihr befindet sich der grösste See der Komoren. Auf Grand Comore hingegen rieselt nirgendwo ein Bach, auf der ganzen Insel gibt es keine Flüsse. Grand Comore ruht im wesentlichen auf Basaltgestein: aus schwarzem, manchmal ockerrot-braunem Vulkangestein, das schwammig sowie durchlässig ist und so jegliches Wasser sofort einsickern lässt. Immerhin regnet es auf den Komoren bis zu 540 cm pro Jahr. Die heisse sowie gleichzeitig regenreiche Monsunzeit ist zwischen November und April.

Karthala-Trekking: Aufstieg zur Caldera und Aussicht auf den Ozean

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