Archiv der Kategorie: Engagement in Madagaskar

Infos rund um Engagement-Möglichkeiten in Madagaskar: Projekte, Vereine, Projektmanagement, Freiwilligeneinsatz, Arbeitseinsatz, Freiwilligenarbeit…das Madagaskarhaus hilft weiter und kann auch vermitteln.

Senioren-Alphabetisierung in Madagaskar

Rund die Hälfte der Senioren in Madagaskar kann nicht lesen und schreiben. Sie unterzeichnen amtliche Dokumente mit ihrem Fingerabdruck. Eine Initiative in Nosy Varika bringt ihnen das Alphabet bei. Die Alten machen begeistert mit.

Nosy-Varika-2Mama Rosetta ist Urgrossmutter und hat in ihren 87 Jahren viel gesehen. Sie wohnt im kleinen Ort Nosy Varika am Pangalanes-Kanal an der Ostküste von Madagaskar. Sie wuchs auf, als Madagaskar noch zum französischen Kolonialreich gehörte und trotz der damals obligatorischen Schulpflicht besuchte sie keine Schule. Sie wurde, wie ihre ganze Familie, Bäuerin und mehrfache Mutter. ‘Die Jahre gingen dahin und jetzt bin ich alt. Aber bei den nächsten Präsidentenwahlen möchte ich meinen Stimmzettel unterschreiben können’, sagt sie überzeugt. Bislang quittierte sie offizielle Dokumente mit Druckertinte und Fingerabdruck. Das ist auf dem Land in Madagaskar weiterhin üblich. In Folge der degradierenden staatlichen Leistungen hat auch das Schulsystem mit sich gebracht, dass die Analphabetenquote sich stetig erhöht. Auch bei den jungen Menschen.

Mama Rosetta ist mit ihrem Leben zufrieden. Und jetzt, wo sie sich nicht mehr intensiv um den Nachwuchs kümmern muss, hat sie noch ein Ziel: sie will ihren Namen schreiben können. Eine freiwillige Initiative ermöglicht den Schulunterricht jeden Samstag. Die Klasse besteht aus über einem Dutzend lernwilligen Frauen. Durchschnittsalter 75 Jahre. ‘Wir werden es schaffen’, schmunzelt Mama Rosetta, ‘denn wir haben schon ganz andere Sachen gemeistert’.

Das Madagaskarhaus in Basel (www.madagaskarhaus.ch) sucht freiwillige erfahrene Lehrkräfte, die während drei Monaten in Nosy Varika betagten Menschen lesen und schreiben beibringen.

Babymützen für Madagaskar

Babymützen für Neugeborene in Madagaskar

Ein Baby, ganz frisch in dieser Welt, hat kalt und dies auch, wenn es in der Hitze der Tropen geboren wurde. So auch in Madagaskar. Warum also nicht jedes Neugeborene mit einem wollenen Mützchen beschenken? Inzwischen stricken Frauen in Norwegen, Deutschland und in der Schweiz Babykappen. Sie werden in ausgewählten Frauenabteilungen Madagaskars verteilt. Jedes Baby kriegt ein Käppchen. Das hält warm und ist sogar ein Grund, dass die Frauen in diese Klinik kommen, um zu gebären. Dank der ärztlichen Begleitung und dem Fachwissen der Hebammen sterben weniger Mütter und weniger Babies. Die Babymütze hilft, Leben zu retten.

Babykäpplis für Madagaskar
Manchmal braucht man Stunden, Tage, Wochen….
…oder besser gesagt eine Ewigkeit, bis man eine neue gute Idee gefunden hat, wie man jemandem, der es braucht, helfen kann oder auch andere animieren kann, mitzuhelfen.
Viele denken, wenn sie von Hilfsorganisationen hören, dass sie jetzt ihren Geldbeutel öffnen und spenden oder so schnell wie möglich weglaufen sollten!
Selbstverständlich sind wir vom Verein Tsarabe-Madagaskar auf Geldspenden angewiesen, aber es gibt auch andere Möglichkeiten mitzuhelfen und hier ist ein gutes Beispiel dafür:
In Norwegen stricken zur Zeit ganz viele Frauen Babykäpplis für Neugeborene in Madagsakar. Es hat mit einer Frau angefangen und jetzt nur eine Woche später sieht es wirklich so aus, dass mehr als 100 Frauen am stricken für Madagaskar sind :-)
Marit, eine alte Bekannte von mir, strickt sehr viel und ist in Norwegen bekannt für ihre Strickmuster für Baby- und Puppenkleider. Sie hat ein eigenes Madagaskarmuster kreiert und online gratis zu Verfügung gestellt mit dem Aufruf, unserem Verein ganz viele Käpplis zu spenden.
Gestern, nur 6 Tage nachdem ich einen Aufruf gestartet habe, ist das erste Packet im Madagaskarhaus angekommen und wird in Laufe der nächsten Tage nach Madagaskar gelangen.
Bis jetzt ist das Muster nur auf Norwegisch geschrieben, aber gleichwohl freuen wir uns, dass auch in Deutschland für uns gestrickt wird. Und um ehrlich zu sein, jedes Muster ist willkommen :-)
Wenn Sie Lust am stricken haben und etwas für Madagaskar tun möchten, dann stricken Sie Käpplis und auch gerne Socken für neugeborene Kinder in Madagaskar.
Wichtig zu wissen ist, dass Madagaskar zwar zum afrikanischen Kontinent gehört, es aber gleichwohl auf dem Hochland manchmal sehr kalt (bis 2-3 Grad) in der Nacht werden kann.
Ellen Spinnler,  www.tsarabe-madagaskar.ch

Madagaskar-Engagement von Permatrend

Das Unternehmen Permatrend engagiert sich im Rahmen der Unternehmensverantwortung seit einigen Jahren in Madagaskar – eine erfolgreiche Kooperation mit dem PRIORI-Madagaskarhaus.

2012: T-Shirt für Schulkinder
In Zusammenarbeit mit der Firma Permatrend konnten im Dezember 2012 alle Schüler und Schülerinnen der Tagesschule Mangoraka mit T-Shirts ausgerüstet werden. Die Shirts wurden in Madagaskar bedruckt und erfreuten die Kinder ganz besonders. Denn ein gleiches T-Shirt bedeutet auch Zugehörigkeit zur Schule und bedeutet auch Schutz gegen aussen. Wer eine Schuluniform trägt, also das knallrote T-Shirt, ist eher vor Übergriffen geschützt als Kinder, die nicht zur Schule gehen. Mehr dazu hier

Engagement 2013
Zum Permatrend-Engagement in Madagaskar im Jahr 2013 gab es im firmeninternen Newsletter ein Interview mit Franz Stadelmann (Dezember 2013).

Fussbälle für Madagakar

Frage:
Ich habe eine Frage: eine Kollegin von mir hat ein Ballprojekt für Kinder initiiert.
Ich habe mich bereit erklärt, 100 Bälle nach Madagaskar mitzunehmen.
Diese sind noch nicht aufgeblasen, sondern flach. Wie gehen wir am besten vor und wo sollen sie verteilt werden? Macht es Sinn, diese 100 Bälle in das Handgepäck aller Teilnehmer aufzuteilen, damit nicht plötzlich Zoll bezahlt werden muss für Geschenke?
mit freundlichen Grüssen
Rosmarie G.

Antwort:
Liebe Rosmarie

Super, denn Bälle sind immer gut und fördern das Zusammensein auf vielen Ebenen.
Wir haben schon mehrere Male Bälle nach Madagaskar mitgenommen und verteilt. Das ist immer ein Erfolg. Je abgelegener der Ort und die Schule, umso mehr wird das Geschenk geschätzt.

Klar, dass die Bälle ohne Luft transportiert werden müssen. Gemäss unserer Erfahrung sollte in Madagaskar zu je zwei Bällen eine Luftpumpe mitgeliefert werden. Es ist besonders im ruralen Madagaskar ein Problem, Bälle der besseren Qualität, die also ventilmässig anspruchsvoller sind, aufzublasen. Oft fehlt der entsprechende Luftzufuhrstutzen und dann wird forciert und das Ventil geht unreparierbar kaputt. Man sollte natürlich nicht irgendwelche Billigbälle nach Madagaskar liefern. Die gibt es dort auch und sie gehen schnell kaputt. Qualitätsbälle haben schnell ein gewisses Volumen und Gewicht, auch im luftlosen Zustand.

Zolltechnisch sollten die Bälle kein Problem bereiten. Der Spenderverein kann ja – auf französisch – ein entsprechendes Schreiben erfassen. Transporttechnisch bezweifle ich, dass 100 Bälle in das normale Gepäck der Air France gehen. Dort sind ja 2 x 23 kg pro Person erlaubt. 100 Bälle füllen schnell vier und mehr Koffer. Von welchem Volumen sprechen wir bei diesen Bällen?

Die Verteilung ist natürlich so eine Sache. Man kann sie ja nicht einfach irgend jemandem geben. Man kann auch nicht eine Schule mit Bällen überhäufen. Ich selber gebe nie einen Ball einfach so. Ich gebe ihn inkl. Pumpe dem Lehrer und im Gegenzug müssen die Kinder dann spontan ein Ballspiel machen. So liefern die ‘Schenker’ und die ‘Beschenkten’ etwas und begegnen sich auf gleicher Höhe. Aber es braucht immer etwas Zeit…

Wir könnten auch zusammenspannen.
So gehen zwei Geschwister im September au eine lange Reise entlang der Westküste durch das Hinterland von Madagaskar (Antananarivo – Morondava – Manja – Morombe – Tulear). Ich könnte mir vorstellen, dass die beiden bereit wären, in abgelegenen Schulen Bälle abzuliefern und auch Fotos zu machen. (Die Schwester ist Profifotografin.)

So, dies mal eine Antwort. Wir können uns gern weiter darüber unterhalten.

Herzliche Grüsse aus dem Madagaskarhaus
Franz

Schulbücher für Madagaskar

Frage:
Ich habe vor eine Jahr bei einer Organisation mitgeholfen, eine Schule in Madagaskar zu bauen. Dorthin möchte ich ausrangierte Schulbücher schicken. Die Organisation kann nur 40 Kilo übernehmen. Deshalb wollte ich Sie fragen, ob Sie allenfalls bereit wären, ihren Gruppen ebenfalls einige solcher Bücher mitzugeben.  Ich hoffe Sie werden mein Anliegen unterstützen. Vielen Dank bereits für Ihre Antwort. M. B.

Antwort:
Liebe M. B.
Herzlichen Dank für Ihr Mail und sorry für die späte Beantwortung. Ich war in Madagaskar und da bleibt halt manchmal etwas liegen.
Wir unterstützen natürlich sinnvolle Projekte gern. Es gibt allerdings auch Organisationen, die auf Kosten der Not armer Leute und auf Kosten der Hilfsbereitschaft von Freiwilligen leben und daraus sogar ein Geschäftsmodell gemacht haben. Bei solchen Organisationen ist es für uns – trotz unseres grossen sozialen Engagements – schwierig zu helfen. Denn wir haben ja auch ‘eigene‘ Projekte, oft im Sozialbereich, die wir aktiv unterstützen. Ich möchte also gern etwas mehr über die Hintergründe der Aktion erfahren. Meine Frage ist: wo ist diese Schule und wer hat sie erbaut?
Herzliche Grüsse aus dem Madagaskarhaus
Franz Stadelmann

Hilfsgüter für Kreuzfahrt-Bekanntschaft aus Madagaskar

Frage:
Nach Recherchen im Internet habe ich ihre Adresse gefunden. So wie ich sehe sind Sie vor Ort in Madagaskar ?! Ich wäre ihnen sehr Dankbar wenn sie mir Helfen könnten. Vielleicht haben sie Adressen, wo ich mich hinwenden könnte um seriöse Informationen zu erhalten.
Wir haben schon mehrere Schiffsreisen gemacht und öfters sehr gute Beziehungen zum Personal aus verschiedenen Kulturen gehabt. Kürzlich haben wir eine Kreuzfahrt gemacht. Auf diesem Cruise Schiff war ein Kabinenstuart. Er war nicht einmal für uns zuständig und trotzdem stimmte die Chemie sofort besonders auch zu unserer leicht handicapierten Tochter. Sie ist so spontan und herzlich, ein richtiger Türöffner. Sie hat den Kreuzfahrt-Stuart sogar eingeladen, mal zu uns in die Ferien zu kommen.
Er stammt aus Madagaskar. Er sagte uns, er sei geschieden und habe 2 Kinder. Bis jetzt hatten wir Mailkontakt. Gestern hatten wir über Viber telefonischen Kontakt. Ich fragte ihn, ob wir ihm ein Paket nach Madagaskar senden können, wenn er wieder zurück im Land ist. (September)
Er meinte, am wichtigsten für ihn wäre, wenn wir für ihn wegen einem Occasion Auto schauen könnten. (Was im Übrigen unsere finanziellen Mittel auch übersteigt.) Ich wüsste ausserdem nicht, wie das funktionieren könnte mit dem Transport nach Madagaskar. Oder sehe ich das falsch.
Gerne würden wir ihn unterstützen und helfen, nur leider wissen wir zu wenig über diese Kultur und die Menschen, um zu wissen was ihnen dienlich ist. Dazu kommt noch die Sprache, ich spreche schon ein wenig Französisch, es gibt immer wieder Worte, die ich nicht verstehe oder ich kann mich nicht genügend klar ausdrücken.
Wenn wir einmal doch dazu kommen, dass er zu uns in die Ferien käme, wie teuer käme der Flug in die Schweiz und retour. Falls wir Paket schicken könnten, was müssten wir zusätzlich noch beachten?
Wir wären sehr dankbar, wenn sie uns weiter helfen könnten, denn ich weiss wirklich nicht, wie wir uns am besten verhalten, wir wollen ja auch nicht falsche Hoffnungen erwecken oder das wir auf einmal vor einem Problem stehen das für alle mühsam ist. Elisabeth M.

Antwort:
Ja, wir von der PRIORI sind seit 1994 in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, vor Ort und auch seit 2010 mit dem Madagaskarhaus in Basel und mit der PRIORI-Reisen in Berlin. Wir haben also eine ganz lange Verbindung mit Madagaskar und es ist wirklich so, dass die Madagassen normalerweise Leute mit Herz und Seele sind und ich verstehe gut, dass Sie sich mit einem Menschen aus Madagaskar gut angefreundet haben. Schnell kommt dann aber die Frage der Finanzen ins Spiel und natürlich sehen die Leute in Madagaskar, was es hier alles gibt und sie hätten gern ebenfalls einen Teil des Kuchens. Also Auto, Computer oder vieles mehr.

Es ist logistisch gesehen kein Problem, ein Auto nach Madagaskar zu schicken. Aber der Transport und dann der Einfuhrzoll machen solche Sachen schnell sehr teuer. So verdoppeln sich die Kosten eines Occasion-Fahrzeugs von sagen wir mal 5000 Franken sehr schnell und dafür kann man inzwischen in Madagaskar selber Occasion-Fahrzeuge kaufen. Der Kauf selber ist aber erst der eine Schritt. Denn schnell sind Unterhalt und Reparaturen fällig und dazu fehlt dann meist das Geld. Also mag ein gut gemeintes Geschenk zwar objektiv sogar sinnvoll sein, aber es kann sich zu einem ‘vergifteten Fisch‘ entwickeln, der den Leuten langfristig gar nicht hilft. Ein Fahrrad ist manchmal einfach besser.

Eine Einladung eines Menschen aus Madagaskar ist ja sicher gut gemeint, aber nebst den bürokratischen Hürden ist auch zu bedenken, ob es dieser Person gut tut, quasi ‘am Paradies‘ zu schnuppern und dann wieder in die meist schwierigen Lebensumstände Madagaskars zurückzukehren. Gerade jungen Menschen tut das oft nicht gut. Die bürokratischen Hürden sind nicht klein: Visum, Versicherung, Flug. Aber diese Hürden sind meist zu bewältigen, müssen aber sicher bereits drei Monate vor Reiseantritt in Angriff genommen werden.

Ein Paket per Post zu schicken ist etwas riskant, weil die Pakete gern geöffnet werden oder kurzerhand verschwinden. Besser, sicherer aber teurer ist DHL. Wichtig zu wissen ist, wohin das Paket geschickt werden soll: Madagaskar ist sehr, sehr gross! Es ist manchmal auch so, dass wir Pakete entgegennehmen und sie über unsere Kanäle nach Madagaskar schicken. Dies tun wir primär für Hilfsgüter und Notfälle. Bedingung ist auf jeden Fall immer, dass wir die Pakete öffnen und kontrollieren dürfen. Die Frage auch hier: ist es sinnvoll, Sachen nach Madagaskar zu schicken, die vor Ort vielleicht sogar billiger zu haben sind.

Helfen ist sicher gut und sinnvoll, manchmal aber lohnt es sich genauer nachzudenken, auf welche Art zu helfen es denn mehr Sinn macht. Dabei ist ein Austausch sehr wichtig und Sprachkenntnisse dazu unabdingbar, um auch Missverständnisse auszuschalten.

Bitte melden Sie sich wieder bei weiteren Fragen.

Herzliche Grüsse aus dem Madagaskarhaus in Basel. Franz Stadelmann

Hilfeleistung an madagassische Familie

Frage:
Vor 20 Jahren reiste ich 4 Wochen durch Madagascar. Ich lernte einige junge Menschen kennen. Mit zwei dieser Bekanntschaften pflegte ich brieflichen Kontakt. Eine junge Frau lebte in Tana und studierte Deutsch. Daraus entstand ein Briefkontakt. Vor 18 Jahren wurde sie von ihrer Familie nach Paris als Kindermädchen zu einer Cousine der Mutter geschickt. Sie studierte weiter Deutsch und ich unterstützte sie vor allem mit Literatur, besuchte sie auch mal und ermutigte sie für ein eigenständiges Leben. Sie hat mich nie um Geld gebeten. Wenn dann nur für ihre Familie und sie hat es mir jeweils wieder zurückbezahlt (2x in den letzten 10 Jahren). Wir haben uns in den letzten Jahren gegenseitig besucht, sie lebt mittlerweile eigenständig als alleinerziehende Mutter. Uns verbindet eine wirklich wertvolle Freundschaft. Als ich damals mit ihr in Madagascar nach Tulear reiste, lernten wir in einer Kirche einen jungen Mann kennen. Auch mit ihm pflegte ich längere Zeit Briefkontakt, da auch er Deutsch studierte. Nach ca. 4 Jahren heiratete er, sandte mir entsprechende Fotos. Dann hörte ich lange nichts mehr von ihm.
Vor 2 Jahren erhielt ich von ihm einen Brief mit einem Hilferuf. Seine Familie (Frau und 3 Kinder) leben in grosser Not. Mein Mann und ich sandten ihm 200 Fr. Dies löste in der Familie grosse Dankbarkeit aus, da scheinbar die Frau krank ist und regelmässig Medikamente braucht. Letzte Weihnachten haben mein Mann und ich uns entschieden, dass wir von uns aus der Familie zu Weihnachten einen grösseren Betrag (Fr. 800.—) zukommen lassen, was wir dann auch gemacht haben. Ich wies darauf hin, das Geld bitte sinnvoll einzusetzen und zu überlegen, welche Möglichkeiten für eine Arbeit es gäbe. Ich bekam umgehend einen liebenswerte Brief und ein Dankeschön, dass die Familie viele Schulden bezahlen konnte und es auch für die Medikamente und das Schulgeld reicht. Dann gingen Brief hin und her ohne Anfrage für Geld. Ich bekam jedoch die Meldung, dass anfangs Jahr ein Tropensturm ihr ganzes Zuhause kaputtgemacht hätte. Ich versuchte mit Worten Mut zu machen, sandte jedoch kein Geld. Mein Mann und ich sind immer am überlegen, wie könnten wir nachhaltig helfen und zwar Hilfe zur Selbsthilfe. Wie auch immer ,vor zwei Tagen bekam ich einen Brief mit der Bitte um Hilfe. Ein Vorschlag darin, dass sie bereit wären eines ihrer Mädchen uns zu geben und wir es dann adoptieren könnten. Das hat mich dann ziemlich geschockt. Aus meiner Sicht gehört ein Kind in die eigene Familie.
Nun mein Mann und ich haben diskutiert und uns überlegt, wie wir sinnvoll helfen könnten. Wir entschieden uns, in einem ersten Schritt abzuklären, wieviel Geld braucht eine Durchschnittsfamilie in Madagascar. Heute als ich im Internet recherchierte stiess ich auf priori, Madagaskarhaus. Ich muss sagen ich habe mich sehr gefreut über die Initiativen seitens Herr Stadelmann und Team. Ich bin tief beeindruckt. Meine Frage an Sie Herr Stadelmann, wie soll wir uns in diesem Fall verhalten? Die Familie wohnt in der Umgebung von Morombe im Süden. Es geht uns nicht darum keine Unterstützung zu geben. Wir würden eben gerne auch Nachhaltigkeit bewirken.
Ich freue mich auf ihre Anregungen und wir werden sicher bei Gelegenheit auch mal in Basel vorbeikommen.
Beste Grüsse aus dem Zürcher Oberland.
Beatrice W.

Antwort:
Liebe Béatrice W.
Herzlichen Dank für Ihr Mail und für Ihr Engagement für Madagaskar. Meine Mitarbeiterin Anke Betz vom Madagaskarhaus in Basel hat mir Ihr Mail weitergeleitet. Ich bin derzeit in Madagaskar, wo wir ja auch die www.priori.ch haben.

Es gibt zahlreiche Beispiele von Freundschaften und Hilfsleistungen zwischen Europäern und Madagassen und dies in allen Schattierungen: echte Freundschaften bis hin zu reiner Ausnützung. Nichts verkauft sich besser als Armut und nichts aktiviert mehr Geld als das permanent schlechte Gewissen des christlich erzogenen Europäers. Es ist also in allen Fällen sehr grosse Vorsicht geboten und eben in den letzten Monaten wurde ein Fall bekannt, indem sich eine Madagassin (deutschsprechende Reiseleiterin) jahrelang eine ‘Schule für Waisen und Strassenkinder’ finanzieren liess, ohne diese Schule zu betreiben…

Aber ich kann in Ihrem Fall kein Urteil abgeben. Es ist nur bei persönlichem Augenschein möglich abzuschätzen, wie die Lage wirklich ist (und sogar auch dann nicht immer). Mein Ratschlag: wenn Sie nachhaltig helfen wollen, dann besuchen Sie die Familie und urteilen nach ein paar Tagen selbst, ob und in welcher Form Sie helfen wollen.

Es ist tatsächlich so, dass zu Beginn 2013 ein Zyklon die Region Tulear heimsuchte. Morombe wurde in kleinerem Mass betroffen.

Den Durchschnittsverbrauch einer Familie in Madagaskar anzugeben ist sehr, sehr schwierig. Denn es sind viele Faktoren einzubeziehen: Wo wohnen die Leute (Stadt, Land)? Haben sie Land für den Eigenanbau von Reis oder können sie fischen gehen? Wie gross ist die Familie und somit der mögliche Beistand im Rahmen der Grossfamilie? Wie ist der Lebensstandard der Familie? Wieviele Kinder gehen zur Schule (Schulgeld und-gebühren)? Wenn also beispielsweise 100 Schweizer Franken pro Monat in Morombe sehr viel Geld ist, reicht dies in der Hauptstadt Antananarivo nicht weit.

Eines der eigenen Kinder wegzugeben, hat Tradition. Meist wird es innerhalb der Grossfamilie von Verwandten grossgezogen. Auch hier müsste man die Hintergründe genau kennen.

Die Kongregation der Heiligen Familie in Werthenstein (Wolhusen / Schweiz) hat in der Region von Morombe eine jahrzehntelange Präsenz mit Missionaren. Vielleicht nehmen Sie Kontakt mit der Missonsprokura auf. Zudem ist in diesen Monaten Père Stefan Kissling auf Besuch in der Schweiz. Er ist seit 50 und mehr Jahren in der Region von Morombe tätig (jetzt pensioniert) und kann Ihnen sicher weiterhelfen.

Bitte informieren Sie mich über den weiteren Verlauf. Herzliche Grüsse aus Antananarivo. Franz Stadelmann

Sozialorganisationen in Madagaskar?

Frage:
Da Sie sich im Land [Madagaskar] doch sehr gut auskennen wollte ich bei Ihnen nachfragen welche Möglichkeiten oder Organisationen Sie kennen, die ich ein wenig finanziell unterstützen könnte und die Hilfe doch sehr direkt bei den Menschen ankommt, vielleicht nicht nur als Tropfen auf den heißen Stein, vielleicht wäre auch ein wenig Nachhaltigkeit mit dabei.

Antwort Franz Stadelmann:
Natürlich kenne ich viele Sozialorganisationen in Madagaskar: ich ging ja 1988 für die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit nach Madagaskar und verfolge die Entwicklung des Landes seither intensiv. Ich kann Ihnen gern solche Kontakte geben, allerdings mögen dann Sprache und Kommunikationsmöglichkeiten schnell eine Barriere schieben. Andererseits haben wir hier in Basel den Verein ‘Tsarabe-Madagaskar’ gegründet, der ehrenamtlich geführt wird und genau das will, was Sie fordern: direkte Hilfe und Nachhaltigkeit. Sie finden Infos zum Verein unter http://www.tsarabe-madagaskar.ch/ Im Rahmen des Vereins Tsarabe-Madagaskar haben wir z.B, einen Kalender für 2012 erarbeitet, dessen Verkaufserlös für Projekte eingesetzt wird.