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Zyklon Gezani 2026 Erlebnisbericht

WIE ICH DEN ZYKLON GEZANI IN TAMATAVE ERLEBT HABE

Wie fast jedes Jahr bleibt Madagaskar auch 2026 nicht von einem Zyklon verschont, einer unvermeidlichen Naturkatastrophe, die unsere grosse Insel immer wieder verwüstet. Die Hafenstadt Tamatave ist verwüstet.

Zyklon Gezani 2026 Tamatave MadagaskarIn diesem Jahr zog ein Zyklon namens Gezani über die zweitgrösste Stadt Madagaskars, Tamatave. Ein intensiver und verheerender tropischer Wirbelsturm, der unerwartet kam und die Bevölkerung von Tamatave völlig überraschte.

Am Tag vor dem Wirbelsturm war alles ruhig, das Wetter war schön, es gab keine Windböen, alles schien normal. Die Menschen hatten sich nicht wirklich auf das Ausmass und die Gefahr vorbereitet, die Gezani mit sich bringen würde.

Dennoch versäumten es die Wettervorhersager nicht, uns stündlich in den sozialen Netzwerken und Medien über die Entwicklung und das Ausmass von Gezani zu informieren, dessen Richtung auf Tamatave lag. Die Meteorologenkündigten starke Winde, sintflutartige Regenfälle und einen Anstieg des Meeresspiegels an.

Leider kam es am Dienstag, dem 10. Februar, zum Schlimmsten: Gezani näherte sich der Küste von Tamatave, schon am frühen Morgen wehte ein ziemlich starker Wind, aber nicht so stark, dass man mit einem Wirbelsturm gerechnet hätte.

Gegen Mittag begann der Wind zu toben, es regnete, das Wasser stieg in der ganzen Stadt, und die Menschen trauten sich nicht mehr hinaus. Nun wussten alle, dass der Zyklon da war und Tamatave treffen würde.

Seit diesem Dienstag ist die Stadt ohne Wasser und Strom.

Am Abend gegen 18 Uhr erreichte Gezani die Ostküste Madagaskars, genauer gesagt unsere Hafenstadt Tamatave. Der Wirbelsturm brachte extrem heftige Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h und sintflutartige Regenfälle mit sich.

Die heftigen Winde deckten schnell alle unsere Dächer ab, der Avocadobaum in unserem Hof wurde entwurzelt. Es war eine Nacht voller Angst und Schrecken. Der Wind war ohrenbetäubend und die Geräusche hörten nicht auf, die Böen schüttelten unser Haus heftig und ich konnte die Häuser unserer Nachbarn hören und sehen, vor allem die Blechdächer, die durch die Luft wirbelten.

Meine Schwester und ich verliessen sofort unser Haus und gingen zu unseren Nachbarn. Wir verbrachten eine schlaflose Nacht, denn das ganze Haus war überflutet, das Wasser stieg. Alle unsere Möbel und Küchenutensilien waren beschädigt, wir sahen das alles mit eigenen Augen, konnten aber nichts dagegen tun.

Plötzlich, gegen 19h30 Uhr, war alles ruhig, nichts mehr, das Auge des Wirbelsturms zog über Tamatave hinweg. Eine seltsame, windstille Ruhe. Fast unheimlich. Wir gingen hinaus, um uns alles anzusehen, alle waren draussen, wir konnten feststellen, dass alles zerstört war, Stromleitungen waren gerissen und heruntergefallen, Häuser waren beschädigt und ohne Dächer, und das Wasser war in allen Stadtvierteln und in den Häusern gestiegen.  Alle dachten, es sei vorbei, und Gezani setzte seinen Weg nach Westen fort. Mit zittrigen Händen machte ich ein paar Fotos mit meinem Handy. Zum Glück war die Batterie noch nicht leer.

Aber nein, gegen 20 Uhr kamen die Windböen zurück und es begann wieder heftig zu regnen. Dieses Mal war es stärker als beim ersten Mal, das alle als „Auftakt” bezeichneten, und es war beängstigender und ohrenbetäubender.

Am frühen Mittwoch Morgen gingen wir alle wieder auf die Strasse, um sich die Folgen des Wirbelsturms anzusehen.   Alles war weg, die Folgen waren schwerwiegend, Häuser waren beschädigt und zerstört, fast kein Haus stand mehr, Bäume waren entwurzelt, es gab erhebliche Sachschäden, und Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Schulen und Arbeitsstätten waren völlig zerstört.

Sofort kam es zu einer totalen Inflation, alle Preise für Dinge, die man sofort braucht, stiegen, wie Nägel, Wellblech, Holz und auch Lebensmittel, ganz zu schweigen von den lokalen Transportkosten.

Alle fingen wieder bei Null an, aber das hinderte die Menschen nicht daran, sich gegenseitig auszunutzen. Dank unserer Nachbarn können meine Schwester und ich bis heute bei ihnen wohnen. Unser Haus wird derzeit vom Eigentümer repariert.

Mein Arbeitsplatz wurde vom Wirbelsturm schwer getroffen, sodass alle, einschliesslich mir, bis auf Weiteres in Kurzarbeit sind.

Françoise F, Tamatave / Toamasina 15.Februar 2026. Die ehemalige PRIORI-Mitarbeiterin arbeitet in Tamatave für eine französische Firma, die Aufträge per Distanz und mit Internettelefonie organisiert.

Zyklon Gezani 2026

Gezani: der bislang stärkste Zyklon der Saison 2025/2026

Noch während des Durchzugs des Zyklons Fytia formierte sich im Indischen Ozean bereits der nächste: Gezani. Er zog im Februar von Osten nach Westen und durchraste die Hafenstadt Tamatave mit 250km/h und schweren Regenfällen.

Gezani ist der siebte Zyklon der Saison, die jeweils im November beginnt, aber ihre Höhepunkte normalerweise im Januar und Februar erreicht.

Am Dienstag 10. Februar abends raste der Zyklon genau auf die Küstenstadt Tamatave zu. 24 Stunden später hatte der Madagaskar durchquert und bei Bekopaka (zwischen Maintirano und Belo sur Tsiribihina) wieder verlassen. Kurz vor Mozambique (Inhambane) nahm er erneut Kurs Richtung Madagaskar, ohne allerdings Landkontakt aufzunehmen. Er drehte sich nach Süden ab und verlor sich in den weiten Meeresgebieten zwischen Madagaskar und der Antarktis.

In der Hafenstadt Tamatave (Toamasina) hingegen hinterliessen Wind und Wasser erhebliche Schäden. Die Behörden deklarierten die Stadt als zu 75% zerstört.  Mutmasslich verloren mehrere Dutzend Menschen ihr Leben und um die 300’000 Leute Häuser, Hab und Gut. Madagaskar rief den nationalen Notstand aus. Die Humanitäre Hilfe der Schweiz (SKH) schickte Nothilfe und Personal, insbesondere für die Aufbereitung von Trinkwasser.

Gezani brachte auf seiner direkten Durchmarschlinie infolge seiner Windkraft Zerstörung. Das wirkt sich auf die vielfach schlecht gebauten Häuser dramatisch aus. Typischerweise werden die Wellblechdächer weggeweht und Mauern eingedrückt.
Schlimmer sind die herangebrachten Wassermassen der Zyklone. Sie überschwemmen ganze Stadtteile, reissen Gräben in Infrastruktur und Wohngebiete. Oft bleiben die Wassermassen tagelang liegen, manchmal hüfthoch. Dadurch wird der Zugang zu sauberem Trinkwasser erschwert, Krankheiten und Seuchen breiten sich schnell. aus.

Auf der Südhalbkugel drehen sich die Zyklone immer im Uhrzeigersinn um einen windstillen Kern. Im Einfallsgebiet erleben die Bewohner also eine erste Phase aus Wind und Regen, dann absolute Ruhe ohne Regen. Dieses ‚Auge des Zyklons‘ kann mehrere Stunden betragen, sogar mit Sonnenschein und blauem Himmel. Der Durchmesser des Auges ist anhängig vom Wandertempo des Zyklons und seinem Ausmass. Danach fegen erneut Winde und Regen heran. Daher das Sprichwort: ein Zyklon schlägt zweimal zu.

Ein typischer Zyklon hat entlang seiner Bahn eine zerstörerische Windrotation von mehreren Dutzend Kilometern, kann aber Regenfälle auf einem Band von hundert und mehr Kilometern verursachen. So hat Gezani auch der Hauptstadt Antananarivo heftige Regenfälle gebracht, obwohl er 200 km nördlich vorbeizog.
Auf der Durchmarschline eines Zyklons bleiben Zerstörungen zurück, an den Randgebieten aber bringen die Niederschläge Fruchtbarkeit.

Als Gezani Tamatave verwüstete, regnete es zwar auf Ste Marie, 120 km Luftlinie von Tamatave entfernt, aber Windzerstörungen gab es keine.

Der Name Gezani wurde übrigens von Südafrika vorgeschlagen. Gezani ist ein Zulu-Wort und bedeutet: voll, befriedigt, komplett. Er ist der Ausdruck nach der Suche nach Vollkommenheit und Erfüllung.

Siehe dazu auch den Erlebnisbericht einer jungen Madagassin direkt aus Tamatave