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Corona: mein Arbeitsweg

Montag, 27. Juli 2020 Antananarivo

Corona: mein Arbeitsweg
Während der nächsten 15 Tage wird ganz Madagaskar erneut unter dem Gesundheitsnotstand stehen. Denn der Virus von Covid-19 verbreitet inzwischen auf der ganzen Insel.

Hier in Antananarivo leben 90 Prozent aller betroffenen Corona-Fälle, deswegen ist man in der Bewegungsfreiheit arg eingeschränkt: der öffentliche Verkehr arbeitet nicht; alle Geschäfte sind noch zu. Einzig die Geschäfte für den Grundbedarf dürfen geöffnet sein, also Läden für Nahrungsmittel, Apotheken und Banken. Einzelne Restaurants dürfen ab heute wieder öffnen. Ab 13 Uhr ist es verboten, nach draussen zu gehen.

Corona: mein Arbeitsweg
Wir hatten das Büro nun wieder vier Wochen geschlossen. Nun ist es ab heute (27. Juli 2020) wieder gestattet, Büros und Betriebe zu öffnen, aber nur halbtags. Wegen dieser Situation bin ich heute von Zuhause bis zum Büro etwa 15 km zu Fuss gegangen. Ich bin um 05h20 von Zuhause weg, der Morgen war noch sehr dunkel und sehr kalt, es ist jetzt Winter bei uns. Während des ersten Teils des Marsches traf ich sehr viele Leute, die vom Land herkommen. Sie tragen unterschiedliche Gemüse, Ravitsara und andere Sachen auf dem Kopf für den lokalen Tagesmarkt. Die Leute versuchen so früh wie möglich auf dem Markt anzukommen, denn alles, was Sie heute bringen, müssen sie auch heute verkaufen, sonst verderben die Gemüse und Salate, denn kein Bauer hat einen Kühlschrank zu Hause. So verkaufen die meisten ihr Produkt unter dem normalen Preis. Früher zogen die Bauern Karren voll von unterschiedlichen Produkten auf den Markt, so verdienten sie genug für das Leben, früher auch waren sie sicher, dass sie alle Ihre Produkte verkaufen konnten. Aber heute mit nur einem Sack auf dem Kopf reicht es nicht. Ein madagassisches Sprichwort sagt aber „besser ein bisschen essen als nichts im Topf zu haben“.

Nach dem Dorf, wo es Märkte gibt, war der zweite Teil des Marsches sehr ruhig, es war fast niemand unterwegs, unglaublich. Normalerweise wecken die Madagassen ihre Kinder jeden Morgen sehr früh, um das Frühstück für die Kinder, die zur Schule müssen oder für alle, die zur Arbeit gehen, einzunehmen, denn 90 Prozent von uns benutzen noch Holzkohle und die Vorbereitung braucht viel Zeit. Diesen Morgen war alles noch zu: Häuser, Geschäfte und die Strassen waren leer.

Corona: mein Arbeitsweg
Mit Beginn der Stadt gab plötzlich es einen Stau. Die Privatautos, die Taxis, die Motorräder und Fahrräder dürfen jetzt auch wieder bis 13 Uhr fahren. Heute gab es viele Autos, aber nicht wie in normalen Zeiten. Es waren auch sehr viel leere Taxis unterwegs, denn eine Privattaxifahrt ist zu teuer für die Leute. Von wo ich wohne bis zur Stadt bezahlt man etwa 40.000 Ar (rund 10 Euro/Franken) für eine Taxifahrt. Das kann man sich nicht leisten. Die meisten fahren daher mit dem Fahrrad oder gehen zu Fuss.  Ein langer Arbeitsweg, aber immerhin habe ich eine Arbeit

Michaël, Trekkingführer PRIORI und Mitarbeiter im Büro PRIORI in Antananarivo

Madagaskar: Corona in Tamatave

Corona in Tamatave

Die junge Studentin Françoise kennen wir seit vielen Jahren. Sie studiert an der Universität in Tamatave / Toamasina und zwar sehr erfolgreich. Aufgewachsen ist sie in einem kleinen Dorf an der Küste des Indischen Ozeans. Wir von der PRIORI unterstützen sie, indem wir ihre Texte bezahlen.


Corona in Tamatave
GEFANGEN BEI MEINER FAMILIE

(2. Juni 2020) Das Corona-Virus hat die Welt heimgesucht, es ist ein Virus, das gefährlich ja sogar tödlich ist und die Welt in eine Gesundheits- und Wirtschaftskrise gestürzt hat.

Madagaskar gehört zu den von diesem Covid-19 Virus betroffenen Ländern, insbesondere in der Hauptstadt und anderen grossen Städten. Die Regierung hat Massnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, indem die meisten Städte abgeriegelt, Strassen gesperrt und der Schulbesuch eingestellt wurden.

Als meine Schwester und ich von diesen Massnahmen hörten, fuhren wir nach Hause zu unseren Eltern aufs Land, es ist ein ruhiges Dorf in der Nähe von Tamatave am Meer, aber doch weit weg von der Stadt und ausserdem ist es noch nicht vom Virus befallen. Also ist es beruhigender, dorthin zurückzugehen – es gibt ohnehin nichts Besseres, als in einer Zeit wie dieser bei der eigenen Familie zu sein. Am Anfang waren die Behörden weniger streng in Bezug auf die Vorschriften gegen dieses Virus, man konnte ohne Maske hingehen, wohin und wann immer man wollte, so dass alle weiterhin auf den Feldern arbeiteten und ihre üblichen Aufgaben erledigen konnten. Wenn meine Familie auf die Felder zur Arbeit geht, gehe ich meinerseits auch dorthin, um ihnen zu helfen. Aber bevor ich gehe, stehe ich am frühen Morgen mit meiner Mutter auf, um ihr beim Herstellen der Beignets zu helfen (mofo baolina und Bajia sind salzige Küchlein aus Bohnen), die meine Schwester dann auf dem Markt verkauft. Dank des Geldes, das sie einnimmt können wir essen oder Reis und Dinge für den täglichen Bedarf kaufen. Mit anderen Worten, dank dieser Beignets, die meine Mutter herstellt, verdient meine Familie ihren Lebensunterhalt.

Corona in Tamatave
Es ist wirklich eine Krise, denn die Dorfbewohner verdienen ihren Lebensunterhalt durch die Fischerei und durch die Erträge der Landwirtschaft. Leider sind die Strassen während dieser Gesundheitskrise gesperrt, so dass keine Käufer kommen, um die Fische zu kaufen. Kein Fischverkauf bedeutet kein Geld! Dazu kommt, dass noch nicht Reiserntezeit ist. Das Leben ist also wirklich hart. Auch können wir nicht alle unsere Beignets verkaufen, so dass wir das was wir noch haben, teilen müssen.

In einer Zeit wie dieser gibt es immer einige, die die Situation ausnutzen, um ihre eigenen Taschen ohne Skrupel zu füllen.  Die Preise der Grundnahrungsmittel wie Reis, Öl, Zucker, Kaffee…  sind um mehr als 30% gestiegen. Aber glücklicherweise erhielt ich Hilfe von einigen guten Menschen, damit kann ich meiner Familie helfen, indem ich Nahrungsmittel oder Dinge, die wir täglich brauchen, einkaufe.

Nach einiger Zeit wurden die Behörden immer strenger: An den Vormittagen lassen sie die Leute nach draussen gehen, aber nachmittags müssen alle zu Hause bleiben. Darum stehen meine Mutter und ich sehr früh auf, um die Beignets zu machen, denn wir müssen diese verkaufen, bevor die Leute aufs Feld gehen, denn jeder hat nur den Morgen, um seine Arbeit zu erledigen.

Jeden Nachmittag nutze ich die Zeit, um meine Schwester und meinen Bruder und seine Klassenkameraden zu unterrichten. Später sitze ich dann vor meinem Computer, um meinen Praktikumsbericht zu schreiben. Und jeden Abend schauen wir auf meinem Computer einen Film an. Ein Tag gleicht dem anderen während dieser Gefangenschaft.

mehr Texte der Studentin Françoise finden sich in der Kategorie Leben als Studentin

Madagaskar: Corona-Antananarivo heute

Madagaskar: Corona-Antananarivo heute

Madagaskar Antananarivo PRIORI

PRIORI-Büros und das Piratenmuseum in Antananarivo Madagaskar

29. Mai 2020. Wie so gut alle Länder dieser Erde hat Corona auch Madagaskar erreicht. Schleichend. Schwierig für den Staat, damit umzugehen. Sehr schwierig für die Bevölkerung, das eigene Überleben zu balancieren mit Angst und Ungewissheit.
Wir von der PRIORI sind seit 1994 in Antananarivo mitten in der Millionenstadt Antananarivo. In unserem Team haben wir keine Infizierte und halten die Massnahmen strikt ein: jene des madagassischen Staates und jene nach Schweizer Vorbild.

Derzeit gilt eine staatsverordnete Halbtagsarbeitszeit. Trotzdem bezahlen wir das volle Gehalt und sind so ziemlich das einzige Unternehmen, das dies tut. Wir haben auch niemanden entlassen. Die grossen Opfer zur Erhaltung der PRIORI, also der PRIORI Madagaskar und der PRIORI Schweiz, erbringen wir in unserem Büro in Basel.


Wie sieht das tagtägliche Leben derzeit aus? Ungeschminkt und einfach so, wie es ist.

Madagaskar: Corona-Antananarivo heute 29. Mai 2020

Madagaskar Antananarivo Place Ikongo

Madagaskar Antananarivo PRIORI place Ikongo

Die Büros der PRIORI und die Räume des Piratenmuseums liegen im 4. Stock eines Gebäudes im Stadtquartier von Tsaralalàna. Von dort streift der Blick über die Innenstadt und hinunter zum Place Ikongo, benannt nach einer Kleinstadt im südöstlichen Hochland. Der Platz ist eigentlich eine Kreuzung von fünf Strassen. Die eine Strasse führt als Einbahn  viel Verkehr vom Bahnhof her. Dort – drei im Einbahnverkehr – zweigen vier Strassen ab. Normalerweise ist dieser Verkehrsknotenpunkt tags in Dauerstau. Etwas wirr wird die Situation, weil in dieser Zone sich viele Strassenhändler aufhalten und weil ebenso viele Fussgänger von den Quartieren Isotry und 67 Hectares herkommend in die Innenstadt gehen. Es ist also immer viel los.

Antananarivo PRIORI place Ikongo

Während den strengen Coronazeiten im April war es hier sehr ruhig. Seit ein Halbtages-Lockdown gilt, ist es um den Place Ikongo wieder lebhafter geworden.
Die Foto zeigt die Situation am Freitag, 29. Mai 2020 um 08h45. Es ist nicht Regenzeit, sonnig sogar, doch der Südwinter zeigt sich bereits. Morgens ist es frisch, gar kalt und erst die Sonne bringt Wärme.

 


Madagaskar: Corona-Antananarivo heute 2. Juni 2020

Antananarivo während der Corona Zeit am 2. Juni 2020

Nun dürfen Geschäfte und Büros bis um 15h00 geöffnet sein und die Taxi Be, die Nahverkehrsmittel, fahren bis 17h00. Dies gilt in der Hauptstadt Antananarivo.
Derweil aber ist die Lage in der Hafenstadt Tamatave / Toamasina schwieriger geworden. Hier gab es die ersten – offiziellen – Corona-Toten und die Angst davor hat sich bei der Bevölkerung verstärkt. Eigentlich ist es verboten, sich von Provinz zu Provinz zu begeben, doch immer wieder versuchen Leute, aus Tamatave zu fliehen. Innerhalb des grössten Arbeitgebers von Tamatave, ein Bergbauunternehmen, ereignete sich der erste Corona-Todesfall. Nun werden die internationalen Mitarbeiter evakuiert und die Aktivitäten heruntergefahren.

Antananarivo Corona Juni 2020